96. Brauchen wir in Zeiten des E-Books überhaupt noch Verleger?

Daniela Seel, Verlegerin des auf neue Lyrik und Prosa spezialisierten Verlags kookbooks in Berlin und Idstein: „Verlage sollten diejenigen Einrichtungen sein, die Gestalten des Möglichkeitssinns in Bewohner der Dingwelt verwandeln, mit denen man gerne zusammenlebt, weil sie etwas bedeuten, und die für sie Zusammenhang herstellen, der Aufmerksamkeit organisieren, filtern und steuern kann – die Aufmerksamkeit nicht nur von Lesern als Freunden und Fans, sondern von Virtualien- wie Realienhändlern aller Art, von Medien, Veranstaltern, Fördergremien, Gewerbe- und Finanzämtern und den vielen kleineren und größeren mehr oder weniger nötigen Quälgeistern und Nackensitzern, von denen man so oft lieber verschont wäre. Die verheißungsvolle Rede vom Eingang des Autors ins Traumschiff des Enterprising Self übersieht gerne, dass damit zugleich der Ausgang des Autors aus eben jener Sphäre der Romantik einherginge, aus der sich auch dieses jüngste Atlantis noch speist. Denn das unternehmerische Ich gibt die Schonung preis, die ihm in der alten Ordnung geteilter Arbeit und Verantwortlichkeit gewährt ist. Es darf nicht nur, es muss sich um das ganze Bündel kümmern, das es braucht, um die eigene Vorstellung zu einer Ware zu machen, die so viele andere haben wollen, dass sich der Aufwand lohnt, und zwar jeden Tag aufs Neue, weil es für das unternehmerische Ich die Instanz nicht mehr gibt, die einem Autor die Dingwelt so weit vom Leib hält, dass er frei genug ist, sich den Gestalten des Möglichkeitssinns zu widmen.“ / Die Welt 17.3.

2 Comments on “96. Brauchen wir in Zeiten des E-Books überhaupt noch Verleger?

  1. Pingback: 119. Top Rück-Klicks (die vergangene Woche) « Lyrikzeitung & Poetry News

  2. Sicher brauchen wir weiterhin Verleger, denn a) hat sich das Ebook immer noch nicht so wirklich durchgesetzt und b) gibt es immer noch Millionen Menschen, die lieber ein richtiges Buch in Händen halten. 😉

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