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Veröffentlicht am 3. März 2010 von lyrikzeitung
Doch am schwersten wiegt für Volker Braun die Siegermentalität. Die Wiedervereinigung sei «kaufmännisch unklug» gehandhabt worden; im Gegensatz etwa zum EU-Beitritt Portugals habe es für die DDR keine Karenzzeit gegeben. Das Volkseigentum der DDR verwandelte sich unter Marktbedingungen in ein Defizit, ganze Landstriche verloren ihre Betriebe, und es gab keinerlei Anerkennung für die Leistungen der Menschen – diese Erfahrungen seien nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht verheerend gewesen. «Es war keine gleichberechtigte Situation, in der man aneinander hätte gewinnen können, und psychologisch hatte es zur Folge, dass man nicht mit Neugierde und Lust auf die andere Gesellschaft zuging.» Wünscht er sich manchmal, die Geschichte wäre anders verlaufen und der Osten hätte gesiegt? Volker Braun winkt ab: «Die Dummheit der Sieger wäre noch monströser gewesen.» / Sieglinde Geisel, NZZ 23.2.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Sieglinde Geisel, Volker Braun
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