6. Alpenwüste

Arthur Rimbaud erlebt im November 1878 den verschneiten Gotthard im Nebel. In einem Brief, einem unvergleichlichen Stück Alpenprosa, schildert er, wie da kein Schatten mehr sei, obwohl man sich mitten unter ungeheuren Dingen befinde: «. . . keine Strasse mehr, kein Abgrund, keine Schlucht, auch kein Himmel; nichts als Weiss kann man wähnen, fühlen, sehen oder nicht sehen, denn unmöglich kann man die Augen von der weissen Eintönigkeit heben.» Hundert Jahre früher notiert Goethe in Realp, nach der Bezwingung der Furka im hüfthohen Schnee, einen entgeisterten Bericht über «die ödeste Gegend der Welt», eine «ungeheure einförmige schneebedeckte Gebirgswüste». Er sei überzeugt, dass einer, über den seine Einbildungskraft nur einigermassen Herr würde, hier vor Angst und Furcht vergehen müsste. / Beatrice von Matt, NZZ 31.7.

One Comment on “6. Alpenwüste

  1. Pingback: 26. Tod des Dichters « Lyrikzeitung & Poetry News

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: