52. Gedichte an die Anschlagsäulen

«Der Erzieher des modernen Menschen ist die Reklame», diagnostizierte der Lyriker Yvan Goll in den zwanziger Jahren und verschrieb der Dichtung, wenn sie das nervöse Temperament des modernen Menschen nicht langweilen möchte, «grössere Rapidität. Es muss jedem Gelegenheit gegeben werden, ein Gedicht zu goutieren, in welcher Lage er sich auch befindet: in der Stadtbahn oder im Lift.» Getreu dieser Forderung bringt derzeit ein Verbund deutschsprachiger Literaturhäuser in einer gemeinsamen Initiative mit der Robert-Bosch-Stiftung Gedichte aus dem heutigen China auf grossflächigen Plakaten in die Literaturhausstädte.

Die Lyriker, die der in Peking lebende Dichter Xi Chuan (geb. 1963) dafür auswählte, gehören fast alle der sogenannten «posthermetischen Dichtung» an. Während die «hermetische Dichtung» (z. B. von Bei Dao oder Gu Cheng) um 1980 den Aufbruchswillen der «verlorenen Generation» artikulierte, versucht sich die sich ab Mitte der achtziger Jahre formierende Dichtung von dem Pathos des aufklärerischen Subjekts und der durchgängigen Oppositionshaltung konsequent abzusetzen./ Michael Ostheimer, NZZ 15.7.

In Zürich hängen die Plakate bis Ende Juli; ferner ist im Literaturhaus Zürich eine Veranstaltung für Anfang Oktober geplant. Weitere Informationen sowie die vollständigen Texte der Gedichte finden sich unter www.literaturhaus.net.

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