Aufsässige Magie

«In dieser Poesie», so sagte Michael Krüger vor fast zwanzig Jahren in seiner Dankesrede bei der Entgegennahme des Peter-Huchel-Preises – und er meinte neben Huchels Gedichten auch namentlich jene von Ingeborg Bachmann oder Paul Celan -, «lebte ein Stück ältester Magie weiter, die sich gegenüber den herrscherlichen Ansprüchen von Aufklärung resistent verhielt: Der Text hatte nicht nur eine eigene Wirklichkeit, die mit meiner Wirklichkeit zunächst einmal nicht viel gemeinsam zu haben schien, sondern sollte (. . .) auch als Zauberspruch nachgesprochen werden, um die andere Wirklichkeit zu verwandeln – und zwar gegen jede Erfahrung.»
Wer möchte die älteste Magie, von der hier die Rede ist, in Frage stellen oder wer den Zauberspruch, der, so Michael Krüger, im Gedicht nachgesprochen werde. Aber soll man sich davon die Verwandlung der Wirklichkeit erhoffen und noch dazu «gegen jede Erfahrung»? Nicht genau wüsste man zu sagen, was in der Pointe dieses Satzes überwiegt, ob das Aufsässige oder nicht vielleicht doch eine zur Resignation neigende Melancholie. / Roman Bucheli, NZZ 9.12.03

Michael Krüger: Kurz vor dem Gewitter. Gedichte. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2003. 112 S., 16,90 EU.
Michael Krüger: Vorworte, Zwischenbemerkungen, Nachrufe. Ein (lückenhaftes) ABC. Sanssouci-Verlag, München 2003. 336 S., 17,90 EU
Vgl. Zeit Nr. 50 (Iris Radisch) / Schweriner Volkszeitung ca. 9.12.03

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