Hombroich-Elegie

Wenn die Geschichte ihre Richtung wechselt, ist die Kennung manchmal überdeutlich, so wenn selbst Raketenhorste umgewidmet werden. Wen wundert es, dass Thomas Kling in der aufgegebenen Raketenstation Hombroich Quartier bezogen hat? „ein ausgeglühtes gebiet, / kegel, / das fernsicht / ermöglicht. gehör von weitem: // waldkante, in die der wind fährt. ein / ohrenbetäubender schneefall hier. / jagdplatz, fluchtartig verlassen. warum.“ Da sind Reste vom Heerlagerspeck und die Natur erobert alles zurück. Und so gibt es bei Kling jetzt nach Wespe und Biene auch Specht und Distelfink, Turmfalke und Fuchs. „anwachsende kulisse. / achtung, leute: alles aufgeforstet! / die fichte hamse hierzulande / preußenbaum genannt.“
Kein selbstgenießerischer Schlenker weicht diese Gedichte auf. Keine Idylle, mehr „Hombroich-Elegie“: Die Katze läuft in die Mähmaschine und die Kröte ereilt der Spatentod. / Jürgen Verdofsky, FR 9.10.02

Thomas Kling: Sondagen. Gedichte. DuMont Verlag, Köln 2002, 140 Seiten, mit einer CD, 19,90 Euro.

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