Meddeb: Kultur des Ressentiments

Die islamische Welt, die einst eine „vorherrschende“, affirmative Kultur stiftete, hat im 9. Jahrhundert eine große Phase rationalistischer Gottessicht und diesseitiger Poesie erlebt. Im elften bis 13. Jahrhundert – „lange vor Descartes, Kepler und Kopernikus“ – war sie auch in Technik und Architektur „gebend“. Am Ende des 18. Jahrhunderts verlor sie den Anschluss an die westeuropäische Aufklärung und wissenschaftlich-technische Moderne. Die „Weltkapitale“ rückte von Bagdad über Kairo immer weiter westwärts nach Genua und Florenz, London und New York. „Historisch im Hintertreffen, in der schwachen Position eines Kolonisierbaren“ sei bei den Muslimen eine „Kultur des Ressentiments“ entstanden, erläuterte Meddeb. „Das islamische Subjekt wurde zum Ungetrösteten der Verlassenheit“, aus dem Gebenden der nur noch Nehmende und Mensch des „Nein“. „Ganz allmählich wächst dieses Gefühl, das dem islamischen Subjekt unbekannt war, in ihm heran und wird nachgerade zentral.“ / Berliner Zeitung 18.6.02

Abdelwahab Meddeb : Die Krankheit des Islam. Aus dem Französischen von Beate Thill und Hans Thill. Verlag Das Wunderhorn Heidelberg. Erscheint im September 2002, ca. 280 S., ca.28

Gedichte des tunesischen Dichters und Philosophen finden Sie in „Lettre“ und in Joachim Sartorius´ Anthologie „Minima Poetica. Für eine Poetik des zeitgenössischen Gedichts“

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