Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 4. April 2002 von rekalisch
Ich fürchte, die Existenz von Poesie lässt sich nicht durch den Verweis auf rudimentäre Gemeinsamkeiten mit der Wissenschaft legitimieren. Sie muss wohl auf ihrer Andersartigkeit bestehen. Die russische Mathematikerin Sonja Kowalewskij (1850 bis 1891) schrieb einmal: „Viele halten die Mathematik für eine trockene und unfruchtbare Wissenschaft. In Wahrheit ist die Mathematik die Wissenschaft, die ein Höchstmaß an Einbildungskraft verlangt (die mehr ist, als sich irgendetwas auszudenken) … Mir scheint, dass der Dichter sehen muss, was andere nicht sehen, dass sein Blick tiefer sein muss als der anderer. Der Mathematiker muss es auch.“ Erst auf dieser tiefen Ebene (etwas sehen, was andere nicht sehen) sind die beiden Kontinente verbunden.
Enzensbergers Gedichte über die Wissenschaft sind der beste Beweis, dass sich der poetische Blick vor der Wissenschaft nicht blamieren muss. / Dieter E. Zimmer, Die Zeit 15/2002
Hans Magnus Enzensberger : Die Elixiere der Wissenschaft Seitenblicke in Poesie und Prosa; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002; 281 S., 19,90
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Dieter E. Zimmer, Diktionär, Hans Magnus Enzensberger, Mathematik, Sonja Kowalewskij
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare