Auch vor der Lyrik machten neue Trends nicht Halt. Das „lange Gedicht“, in den 70er Jahren stark politisch beeinflusst, erlebe eine Wiedergeburt, jetzt als Naturgedicht. / Südwestpresse
re’trac·tion [-kʃn] s.
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I know a bank where the wild thyme blows, where oxlips and the nodding violet grows and hayfever sufferers sneeze wildly
In Xanadu did Kublai Khan a stately pleasure dome decree, but so many voters objected he cancelled it
I grow old, I grow old, I shall wear the bottom of my stomach rolled
James James Morrison Morrison Weatherby George Dupree couldn’t fit his name on the Child Protection Forms
Stop all the clocks, cut off the telephone , actually just wait I’ll order a pizza first
When I compare thee to a summer’s day, please recall that I’m English. William Shakespeare
SO YOU JUST HOLD THIS DOWN WHILE YOU TYPE EH? CLEVER! E E CUMMINGS
In retrospect, that red wheelbarrow wasn’t as important as I thought. Also, I was drunk. William Carlos Williams
Goe, and catche a falling starre / Get with child a mandrake roote / I knowe you woulde / you’de roote anythinge
While Death stopping for me was kindly, I should point out that he talked the entire goddamn ride. Emily Dickinson.
They fuck you up, your mum and dad, but being a librarian in Hull fucks you up even more. Philip Larkin
How do i love thee? let me count the ways. 1. oh, right. i don’t. Elizabeth Barrett Browning.
No, May is crueller. Eliot
Unverkennbar ermöglicht ihm die positiv zu sehende Schamlosigkeit eine produktiv verwirrende Tiefe. Dissonanzen großer Herbheit schneiden um so schärfer ins Ohr, als Seiler sich sonst in einen Rausch der Assonanzen, Alliterationen, Wort- und Zeilenwiederholungen hineinzuschreiben versteht. Manche Verse scheinen melancholische Wanderlieder zu sein, gerade recht für die Reise, ob mit dem Fahrrad, im Zug oder zu Fuß. Geradezu greifbar ist Gehen, Schreiten, Fahren, das Seiler oft mit seiner Autorenarbeit verbindet. „Ich schreib nicht mit der Hand allein“, heißt es bei Nietzsche, „der Fuß will stets mit Schreiber sein. Fest, frei und tapfer läuft er mir bald durch das Feld, bald durchs Papier.“ Als Wanderschreiber und Dichtergeher gleicht Seiler einem guten Reisekameraden, dem man auf der Leselebensreise gern folgen kann, zumal er den Tod kennt, aber in seinen Versen nicht über die Maßen fürchtet; selbst wenn er ihn im Treppenhaus überfällt.
Schön, wie leichthändig Seiler die Tradition einwebt, keck, auch kritisch, Hofmannsthal und George zuzwinkert, antike Elegie-Töne verwendet. Das Fußball-Epos „Die Fussinauten“ zeigt seine Freude am dramatischen Erzählen, das balladengeschult ist, wie „geruch der gedichte“ unterstreicht. / Rolf-Bernhard Essig, FR 3.12.
im felderlatein.
Von Lutz Seiler. Suhrkamp, Berlin. 100 S., 14,90 Euro.
Gefunden im roughblog:
„Das Internet ist für mich die größte emanzipatorische Erfindung der Menschheit seit der Erfindung der Schrift. (…) Es hat seit der Erfindung des Telegraphen und des Telefons nichts Vergleichbares gegeben, und das Netz schlägt diese Erfindungen ja noch, weil jeder mit jedem ganz nach eigenem Wunsch in Verbindung treten kann. Es ist ein verwirklichter Traum. Und jeder hat Zugang zu jedem. Ich bin eine begeisterte Anhängerin des Netzes. Und die schärfsten Restriktionen von Regierungen können immer auch von technisch Versierten umgangen oder ausgeschaltet werden. Das Netz ist demokratisch und subversiv zugleich. Es ist Gott.“
Quelle: Elfriede Jelinek in einer E-Mail-Korrespondenz mit Rita Thiele, abgedruckt im Programmheft zu „Das Werk. Im Bus. Ein Sturz“, Schauspielhaus Köln, 2010…
Der Schriftsteller Alfred Kolleritsch, Mitbegründer des Forum Stadtpark in Graz, sprach mit Thomas Trenkler über die Literaturzeitschrift „manuskripte“, die er seit 50 Jahren herausgibt.
Standard: Am Samstag werden mehr als 140 Autoren beim Festakt im Grazer Schauspielhaus dabei sein. Ein derart großes Autorentreffen gab es noch nie, oder?
Kolleritsch: Es war etwas verwegen von mir, alle wichtigen Autoren, die im Laufe der letzten 50 Jahre in denmanuskripten publiziert haben, einzuladen. Das Erfreuliche – und gleichzeitig Erschreckende – ist, dass fast alle zugesagt haben. Peter Handke kommt mit Hubert Burda, Ulla Berkéwicz kommt, Robert Menasse, auch Peter Turrini. Eine bunte Fülle. Die Jelinek kommt nicht, sie hat aber einen schönen Text geschickt.
Hainichen. Soviele zeitgenössische Dichter aus Sachsen in einem Buch gab es noch nie: 140 Lyrikerinnen und Lyriker sind es, die der Band „Es gibt eine andere Welt“ versammelt. Herausgegeben haben das Buch, das heute im Dichter-Museum von Hainichen, dem Gellert-Museum, seine Premiere erlebt, ebenfalls zwei Lyriker: der in Dresden lebende Axel Helbig und der aus Hainichen stammende Andreas Altmann, der im übrigen einer der Initiatoren der in der „Freien Presse“ erscheinenden Reihe „Gedicht der Woche“ ist. / Ulrich Hammerschmidt, Freie Presse 3.12.
Buch und Buchpremiere Andreas Altmann/Axel Helbig (Herausgeber): Es gibt eine andere Welt. Eine Anthologie aus Sachsen. Verlag poetenladen Leipzig. 400 Seiten. 24,80 Euro. ISBN 978-3-940691-23-1. – Buchpräsentation heute 20 Uhr im Gellertmuseum Hainichen.www.gellert-museum.de
Die amerikanische Lyrikerin Elyse Fenton gewann den diesjährigen Dylan Thomas Prize ( £30,000) für „Clamor“, eine Sammlung von Kriegsgedichten, die sie schrieb, während ihr Mann als Militärarzt in Bagdad diente. Damit ging zum wiederholten Mal in diesem Herbst ein Preis an ein Buch aus einem Kleinverlag, in diesem Fall dem Cleveland State University Poetry Center. / Guardian 2.12.
Neues auch vom Berliner Ohrenschmaus:
Kurz vor Weihnachten präsentieren wir einen israelischen Weihnachts- und Poesiefilm, basierend auf einem Gedicht von Jan Wagner (Deutschland).
Freuen kann man sich für 2011 schon einmal auf neue Dichter aus dem Maghreb, aus Italien, Israel, Katalonien, Zypern, Belgien, Russland und aus Skandinavien, und natürlich noch auf viele andere mehr.
Neue Autoren
Auf lyrikline.org sind zahlreiche Autoren neu. Mit dabei sind u.a. Gedichte des Booker-Preisträgers Michael Ondaatje (Kanada), der vor allem durch seinen Roman „Der englische Patient“ bekannt wurde. Cole Swensen (USA) und Yang Lian (China/USA) sind weitere nordamerikanische Autoren, die jetzt online zu lesen und zu hören sind. Ebenfalls neu sind die afrikanischen und asiatischen Dichter Nina Kibuanda (DR Kongo) und Babangoni wawa Chisale (Malawi) sowie Alaa Khaled (Ägypten), Zakaria Mohammed (Palästina) und Monzer Masri (Syrien).
Aus Europa sind neu dazugekommen:
Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Konstantin Ames (Deutschland), María Eloy-García (Spanien) und die griechischen Dichter Jazra Khaleed, Dimitra Kotoula und Yannis Stiggas.
Neue Gedichte
gibt es von Gerhard Falkner (Deutschland).
Neue Übersetzungen
Außerdem wurden wieder zahlreiche neue Übersetzungen eingestellt:
Ins Arabische: Gerhard Falkner (Deutschland)
Ins Chinesische: Jan Wagner (Deutschland)
Ins Deutsche: Babangoni wawa Chisale (Malawi), María Eloy-García (Spanien), Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Alaa Khaled (Ägypten), Jazra Khaleed (Griechenland), Nina Kibuanda (Kongo), Dimitra Kotoula (Griechenland), Zakaria Mohammed (Palästina), Monzer Masri (Syrien), Michael Ondaatje (Kanada), Yannis Stiggas (Griechenland), Cole Swensen (USA), Yang Lian (China/USA)
Ins Englische: Tsead Bruinja (Niederlande), Hélène Gelèns (Niederlande), Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Jazra Khaleed (Griechenland)
Ins Französische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Hebräische: Monika Rinck (Deutschland), Jan Wagner (Deutschland)
Ins Litauische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Spanische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Türkische: Arjen Duinker (Niederlande), Joan Margarit (Spanien), Nikolai Madzirov (Mazedonien), Thomas Möhlmann (Niederlande), Ulrike Draesner (Deutschland)
Ins Ungarische: Jan Wagner (Deutschland)
Der Schriftsteller Saâdane Benbabaâli und der Interpret der andalusischen Musik Beihdja Rahal unternehmen gemeinsam eine musikalisch-poetische Reise. Das neue Buch „La Joie des âmes dans la splendeur des paradis andalous“ (Die Seelenfreude in der Pracht des andalusischen Paradieses) setzt die Bewahrung und Überlieferung des andalusischen Musikerbes fort, die sie mit einem ersten Buch 2008 begonnen hatten. Das Buch ist mit Audio-CD und DVD ausgestattet. Es biete dem Leser ein paar Schlüssel zur Lektüre einer oft falsch verstandenen Poesie, sagt der Autor.
Bisher hat Benbabaâli mehr als 200 andalusische Gedichte aus dem 600 oder 650 Texte umfassenden Gesamtkorpus ins Französische übersetzt. / L’Expression 28.11.
Gedichte zu schreiben, das ist in, Gedichte zu lesen nicht. / Oberösterreichische Nachrichten
Ein Extrem-Programm liegt hinter ihm, abwechslungsreich und unterhaltend, in dem er sich als alter Bühnen-Hase und als glaubwürdiger Herzblutmusiker ins Gedächtnis gespielt hat. Seine Liebeserklärung an die Musik, seine nur von Cello und Piano begleitete Ballade „Meine Musik“, nimmt man ihm deshalb bei allem Pathos ihrer „Mit dir leb und sterbe ich“-Lyrik absolut ab: Selbst die Zeilen „Du bist das Fenster meiner Seele, durch das schau ich hinaus, bist meine Burg und mein Zuhaus“. / Verena Großkreutz, Eßlinger Zeitung 1.12.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin stelle ich hier einen Text von 1987 dem Gedicht von Srečko Kosovel aus L&Poe 2010 Nov #107. Meine Anthologie 61: Srečko Kosovel, Stammbaum an die Seite. Er erschien zuerst in der Undergroundzeitschrift ariadnefabrik 1/1988. Solche Bücher waren damals Ereignisse, natürlich auch, weil das Angebot so überschaubar war, daß jeder Interessierte ungefähr die gleichen Bücher kaufte und las. Aber nicht nur, will mir meine Erinnerung sagen.
Zu Srečko Kosovel: Ahnung von Zukunft. Gedichte. Leipzig, Reclam Verlag 1986.
Noch in den siebziger Jahren hätte ich mich einem Buch, das in seinem Titel von Zukunft spricht, nicht so unbefangen zu nähern gewagt, all die kräftig und froh ausschreitenden Lieder und schwer-versigen Hymnen im Ohr, im Bewußtsein, die nur, und das spürten wir gewiß, in Schule und Öffentlichkeit als gültige Bekenntnisse kursierten, und jenseits unserer Grenze lag Abendland. Einfältiges Pflänzchen, das in uns gepflanzet worden war – grenzt es an Zynismus, wenn ich sage, es hat sich entwickelt? Aus Zukunftserwartung hat sich Zukunftsangst geschält, und diese ist kein schulisch abverlangtes Zeugnis mehr.
Was wirkt in mir, daß ich die scheinbar für den einseitigen Gebrauch gedachten Begriffe wieder für mein Denken verwenden kann? Ists, daß das Wort einer Geschichte eignet, eines Schwingraumes, unerkundeter Dimensionen; daß es sich natürlich bewegt wie ein Tier, aus dem Gatter entlassen, wenn es, bar ideologischer Vormundschaft und Beschlagnahme, wieder zum Dingwort wird, zum Wort, das den Dingen Menschen auf der Spur … So bewegen sich die Worte in Kosovels Dichtung, selbst Worte wie Revolution Menschheit Zukunft, sie bewegen sich natürlich, glaubwürdig, mensch- und dinggemäß. Die politischen Gedichte verlieren nicht an menschlicher und persönlicher Dimension, wahrnehmbar und in den Rahmen persönlicher Erfahrbarkeit gestellt sind die Bilder.
Entstanden die Gedichte vom Weltende im deutschen Expressionismus vor allem in der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges, so sind sie bei Kosovel zeitlich danach angesiedelt; Gedichte vom Rande Europas, Slowenien, in das Herz des Kontinents hineingesprochen, Beschwörungen gleich. Sicher erfaßt der jung verstorbene Dichter die Nachkriegsspannungen, die Vorläufigkeit dieses Friedens, entwickelt ein Gespür für Anzeichen und Ursachen des europäischen (Kultur-?) Verfalls, die nicht allein im Krieg zu suchen sind. In EKSTAZA SMRTI (Ekstase des Todes), aber auch in EVROPA UMIRA (Europa im Sterben) und anderen Texten unterzieht Kosovel die abendländische Lebenshaltung einer Kritik; Abendland – wörtlich genommen – umreißt faktisch die geistige Konstitution unseres Kontinents, alles in Europa scheint vom Abend geprägt, unser Bewußtsein vor allem ein endzeitliches zu sein, in Vergangenheitsräume gerichtet, in denen wir das Zukünftige nicht zu entdecken vermögen. Ja selbst diese Räume konservieren wir zu Museen reiner Erinnerung, berauben sie ihres Raumcharakters, und doch wirkt und währt alles Geschehene fort …
Unglaubhaft blieben uns immer, und fern, die vermittelten Standardvisionen vom Anbrechenden Morgen, wir ziehen es vor, in heißere Länder zu reisen, doch Morgenlandfahrer im Sinne von Erkundern des Möglichen scheinen rar in Europa.
Kosovel ist, fern aller Mystifizierung, ein Seher; tief in Wirklichkeiten vorzudringen mit dem feinen Instrumentarium der Worte, das Fundgut zu betten in den poetischen Raum, dies heißt sowohl, Vergangenes zu entdecken als auch Zukünftiges im Vergangenem, das nicht verloren, sondern nur vergessen, verschüttet war …
Dankbar bin ich für die untergründige Religiosität dieser Dichtung, weil sie identisch ist mit einem alle Wirklichkeitsbereiche umfassenden Weltbewußtsein, mit dem Bewußtsein des notwendigen Wechselspiels zwischen Natur und Mensch. Kosovel bewegt sich mit seinem Universum hin zu einer Utopie, zu sozialen Veränderungen (siehe z.B. „An die Mechaniker“), die auch Veränderungen im Verhalten der Menschen zur Umwelt mit einschließen müssen, um glaubhaft und lebbar zu sein. Sozial beschränkt sich für ihn nicht auf soziale Sicherheit, sondern umfaßt das Geflecht menschlicher Beziehungen in seiner Gesamtheit. Es gibt für mich keine heimatlichere Gebärde als eine solche, die den Einzelnen wie das Universum mit einbezieht und in seiner Gestalt achtet.
Jayne-Ann Igel
Leipzig, September 1987
Die russische Dichterin Bella Achmadulina starb am Montag in ihrem Haus in Peredelkino bei Moskau im Alter von 73 Jahren. Während des Tauwetters nach Stalins Tod machte sie sich einen Namen als eine der mutigen neuen Stimmen zusammen mit Jewgeni Jewtuschenko und Andrej Wosnessenski. Tausende begeisterte Zuhörer stömten zu ihren Lesungen in Konzertsälen und Stadien.
Ihre Lyrik war entschieden unpolitisch, was sie zur Zielscheibe offizieller Kritik machte. Später wandte sie sich philosophischen oder religiösen Themen zu oder schrieb über die Natur der dichterischen Sprache: “O magic theater of a poem,/spoil yourself, wrap up in sleepy velvet./I don’t matter”. (hier komplett russisch)
Obwohl sie als Dichterin unpolitisch war, unterstützte sie offen verfolgte Autoren wie Boris Pasternak und Alexander Solshenizyn und Dissidenten wie Andrej Sacharow. 1979 fiel sie in Ungnade, weil sie eine Kurzgeschichte in dem inoffiziellen Sammelband „Metropol“ veröffentlichte (hrsg. von Wassili Axjonow).
Aber trotz ihres zweifelhaften Rufs bei den Offiziellen zählte man sie immer zu den Meistern der russischen Lyrik. 1993 schrieb Sonia I. Ketchian: „Es gibt Achmatowa, Zwetajewa, Mandelstam und Pasternak – und sie ist die fünfte.“
/ WILLIAM GRIMES, New York Times 30.11.
Mehr: The voice of Russia 30.11.
Achmadulina und Jewtuschenko in der Zeit 1962
Ihre Gedichte auf Russisch / auf Englisch /
L&Poe 2010 Jun #5. Andrej Wosnessenski gestorben
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