Kategorie: Europa

Wach ich oder bin ich tot?

Emmy Hennings (* 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano) Aether An die Scheiben schlägt der Regen, Eine Blume leuchtet rot, Kühle Luft weht mir entgegen, Wach ich oder bin ich tot? Eine Welt liegt weit, ganz weit;… Continue Reading „Wach ich oder bin ich tot?“

Ich bin der Wald

Johannes R. Becher DER WALD Ich bin der Wald voll Dunkelheit und Nässe. Ich bin der Wald, den du sollst nicht besuchen, Der Kerker, daraus braust die wilde Messe, Mit der ich Gott, das Scheusal alt, verfluche. Ich bin der Wald, der muffige Kasten… Continue Reading „Ich bin der Wald“

Expressionist Artillerist

Franz Richard Behrens Expressionist Artillerist Für Jakob von Uexküll, auf dessem granatgegitterten Heimatboden einer Feldwache dies wuchs. Bäh drüben fliegt ein Eisenvogel ab, kerzengrader als alle Vögel der Erde Ein-und-zwanzig die Linie kennt die Natur nicht zwei-und-zwanzig der Organismus ist sie drei-und-zwanzig den Blick… Continue Reading „Expressionist Artillerist“

Du darfst nicht töten

Franz Richard Behrens (* 5. März 1895 in Brachwitz (Wettin-Löbejün); † Mai 1977 in Ost-Berlin) DU DARFST NICHT TÖTEN Für Ludwig Rubiner Mondblaß Rosenroß Blutsäulen elefanten korallen Schimmel im Schnee mit Purpurhufen Zypresse vor Feuer Spur Sternenschritt. Aus: Die Aktion 7 / 8 -1918,… Continue Reading „Du darfst nicht töten“

Quark

Gustav Sack (* 28. Oktober 1885 in Schermbeck; † 5. Dezember 1916 bei Finta Mare, Rumänien) Quark Man frißt sich so durch seine Jahre und wird mit jedem Jahre älter und ist am Ende ohne Haare doch immer noch ein Hinterhälter. Man ißt und… Continue Reading „Quark“

Der Sturm ist da

Heute vor 110 Jahren erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift „Der Sturm“ mit Gedichten von René Schickele (Vorortballade). Hier ein Gedicht aus Nummer 3 vom 17. März 1910. Nymphenburg Von Ferdinand Hardekopf Ein Erzittern, glückliches Fiebern des Hirns und   Taumeln der Brust, taucht… Continue Reading „Der Sturm ist da“

Entschuldigung vorab

Friedrich Hölderlin Friedensfeier Ich bitte dieses Blatt nur gutmüthig zu lesen. So wird es sicher nicht unfaßlich, noch weniger anstößig seyn. Sollten aber dennoch einige eine solche Sprache zu wenig konventionell finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem schönen… Continue Reading „Entschuldigung vorab“

Einmal noch

Noch zwei Talismane aus dem Buch der Sprüche* (Goethe über soziale Medien) Ueberall will jeder obenauf seyn, Wie’s eben in der Welt so geht. Jeder sollte freylich grob seyn, Aber nur in dem was er versteht. Laß dich nur in keiner Zeit Zum Widerspruch… Continue Reading „Einmal noch“

Goethes Vorschlag zur Güte

Johann Wolfgang Goethe Aus Rendsch Nameh. Buch des Unmuths. Aergert’s jemand daß es Gott gefallen Mahomed zu gönnen Schutz und Glück, Um den stärksten Balken seiner Hallen Da befestig‘ er den derben Strick, Knüpfe sich daran! das hält und trägt, Er wird fühlen daß… Continue Reading „Goethes Vorschlag zur Güte“

Goethe zum Hölderlinjahr

Johann Wolfgang Goethe Aus: West-östlicher Divan (1819) Befindet sich einer heiter und gut, Gleich will ihn der Nachbar peinigen; So lang der Tüchtige lebt und thut, Möchten sie ihn gerne steinigen. Ist er hinterher aber todt, Gleich sammeln sie große Spenden Zu Ehren seiner… Continue Reading „Goethe zum Hölderlinjahr“

Die feindliche Erde

Ludwig Rubiner (* 12. Juli 1881 in Berlin; † 27. Februar 1920 in Berlin) Die feindliche Erde Der Eiter der Erde lag in den Häusern. Unter hellen Lichtern saßen schmatzende Jobber. In Nebenzimmern ragten gelangweilt lange schwarze Strümpfe, trägzuckende Schenkel über schwere geile Rücken.… Continue Reading „Die feindliche Erde“

„Dort unten liegt, ein graues Steingetürm, Paris“

Oskar Loerke (* 13. März 1884 in Jungen bei Schwetz, heute Wiąg, Westpreußen; † 24. Februar 1941 in Berlin) ABEND AUF DER TERRASSE VON SAINT CLOUD Bang ists, — als stände wer gebeugt auf unsre Erde;— Verhüllt sein Leib von Städten, Strömen, Moor und… Continue Reading „„Dort unten liegt, ein graues Steingetürm, Paris““

Sibylla Schwarz zum 399.

Heute vor 399 Jahren (am 14. Februar alten, 24. Februar neuen, gregorianischen Kalenders) wurde Sibylla Schwarz in Greifswald geboren. Zum Anlass eins ihrer 23 Sonette. Es handelt,. wie könnte es anders sein, von Liebe, dem „obligatorischen Drehzapfen aller Poesie“ (Friedrich Engels). MEin Alles ist… Continue Reading „Sibylla Schwarz zum 399.“

Nacht vier

Es scheint, Pfemfert liebt Nachtgedichte. Direkt unter Heym noch eins von Jakob van Hoddis: Der Träumende Blaugrüne Nacht, die stummen Farben glimmen. Ist er bedroht vom roten Strahl der Speere Und rohen Panzern? Ziehn hier Satans Heere? Die gelben Flecke, die im Schatten schwimmen,… Continue Reading „Nacht vier“

Und die dritte

Georg Heym (* 30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien; † 16. Januar 1912 in Gatow) Die Schläfer Es schattet dunkler noch des Wassers Schoß. Tief unten brennt ein Licht, ein rotes Mal Am schwarzen Haupt der Nacht, wo bodenlos Die Tiefe sinkt. Doch auf… Continue Reading „Und die dritte“