Kategorie: Deutschland

32. Kunst als Sport

Im alten Griechenland gehörten literarische Veranstaltungen untrennbar zu Sportwettkämpfen, bei denen bekleidete Autoren genau so beliebt sein konnten wie nackte, von Olivenöl glänzende Athleten. Die Sieger beauftragten große Dichter wie Pindar mit dem Abfassen der Siegerhymnen, die bei üppigen Banketten von Knabenchören gesungen wurden.… Continue Reading „32. Kunst als Sport“

31. Lyrik in der Straßenbahn

Lyrik in der Stadtbahn, ein abseitiger Gedanke? Richtet sie sich an den Bildungsbürger, der seinen Goethe und Novalis ohnehin kennt? Oder will sie die Rapper-Generation von 50 Cent oder Eminem weglocken auf die richtige Schiene zu Hofmannsthal oder Hölderlin? Ey Alter, das is n… Continue Reading „31. Lyrik in der Straßenbahn“

30. Stipendien in Köln

Die Stadt Köln vergibt Stipendien in Höhe von je 10.000 Euro an junge Künstler verschiedener Kunstrichtungen. Dazu gehört auch das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium. In diesem Jahr geht es an Julia Trompeter. Über die Stipendiaten entscheidet jeweils eine Fachjury. 1971 wurde das erste Stipendium nur für Kölner… Continue Reading „30. Stipendien in Köln“

29. Gegenkanon

Jeder Kanon hat einen Gegenkanon. Wer nur den offiziellen Kanon kennt, der könnte schließlich auch zu der Auffassung kommen: Die deutsche Literatur ist von der Moderne weitestgehend unbeleckt geblieben. Nach wie vor stehen Romanmuster aus dem vorletzten Jahrhundert hoch im Kurs, nach wie vor… Continue Reading „29. Gegenkanon“

28. Tages Dichter

Keine drei Monate ist es her, dass der unglückliche „Krone“-Dichter Wolf Martin gestorben ist, da mehren sich die Anzeichen dafür, dass sein Handwerk – Poesie zu Themen des Tages – auf höherem Niveau eine Renaissance erlebt. Zuerst hat Günter Grass uns über die „Süddeutsche… Continue Reading „28. Tages Dichter“

26. Andeu­tung statt Gemälde, Collage statt Ge­schlos­sen­heit

Wer Kraus‘ Gedichten zum ersten Mal begegnet, ist geneigt, sie ihres Voka­bulars wegen für unüber­setzbar zu halten. Das Gedicht „genfer see“ etwa leitet er­war­tungs­gemäß den Blick übers Wasser, über Schiffe und Möwen. Doch nicht von Booten ist die Rede, sondern von „pardune“, „bilge“, „tartane“,… Continue Reading „26. Andeu­tung statt Gemälde, Collage statt Ge­schlos­sen­heit“

23. Fliege

Beim Poetenladen macht Elke Erb Entdeckungen, indem sie ein Gedicht von Ossip Mandelstam wörtlich übersetzt. Großartig! Zitat: Ich spüre beim Wörtlich-Übersetzen eine eigen­tümliche Klarheit. Das Unfertige nimmt der Text-Präsenz etwas von ihrer Geschlossenheit/Geläufigkeit. Geläufigkeit = Geschlos­sen­heit, lerne ich (dankbar). Man liest sonst „darüber hinweg“.… Continue Reading „23. Fliege“

22. Stele für Richard Anders

»In schier endlosen Folgen entwickelt Anders rhythmisch wiederkehrende Bilder, die sich, versucht man ein Ende zu greifen, wie der Faden eines Gewebes zurückziehen, bis keine einzige Schlinge mehr vom Ganzen übrigbleibt und nur noch ein Anfang in der Hand liegt.« Cornelia Jentzsch / Mehr… Continue Reading „22. Stele für Richard Anders“

20. Kolbe über Bachmann

Ich meinerseits wollte nicht Intimitäten aufdecken zwischen Ingeborg Bachmann und ihrem ersten literarischen Förderer und Liebhaber Hans Weigel meinetwegen, zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, denen es offenbar das ein und andere Mal ziemlich gut ging miteinander (man stelle sich den 27jährigen Paul Antschel-Celan… Continue Reading „20. Kolbe über Bachmann“

15. Bender und Schoenberner

Zuerst Bender: Der tote Gefangene. Geschoren, entkleidet, auf den Schlitten, tief im Schnee nacktgebunden mit zwei Schnüren. Ein Hungernder zieht, ein Spitzel schiebt, ein Priester, ohne Kreuz, im Spurgeleis der Kufen. Dann Schoenberner: … Gierig kauend gingen in Auschwitz die nackten Gefangenen die Gewehrläufe… Continue Reading „15. Bender und Schoenberner“

14. Traxlers Konzeptalbum

Eine Art Konzeptalbum: Darin werden die einzelnen Gedichte nicht addiert, sondern miteinander vernetzt, sie bilden ein «Grossgedicht». Durch ihre Nähe zu den Gedichten bekommen selbst die theoretischen, essayistischen Texte eine andere Färbung – indem Traxler sie nicht als Metatexte über die literarischen Texte stellt,… Continue Reading „14. Traxlers Konzeptalbum“

12. Neu bei roughbooks

Roughbooks kündigt zwei Neuerscheinungen an: Mütze #1, die neue literarische Zeitschrift (die „Zwischen den Zeilen“ nach fast 20 Jahren ablösen wird), mit Beiträgen von Pierre Guyotat (Holger Fock), William Faulkner (Günter Plessow), Tim Turnbull (Dagmara Kraus), Werner Hamacher und Simone Kornappel. 52 Seiten, 5 Euro / 7 Franken (plus 1 Euro/Franken für den Versand). Bestellungen… Continue Reading „12. Neu bei roughbooks“

11. Unverständlichkeit

Diesem Widerspruch antwortet von eh und je der Vorwurf, das moderne Gedicht sei „unverständlich“. An ihm ist bemerkenswert, daß er nicht spezifisch, im Hinblick auf den einen oder anderen Text, sondern stets pauschal erhoben wird. Das legt den Verdacht nahe, daß er nicht in… Continue Reading „11. Unverständlichkeit“

9. Literaturbetriebstheorien

„Der Literaturbetrieb. Texte – Märkte – Medien. Eine Einführung“ von Steffen Richter bespricht David Christopher Assmann. Richter stelle der Einführung in den Literaturbetrieb zunächst eine Einführung in verschiedene Literaturbetriebstheorien voran. Der Rezensent stellt dazu fest: „Unabhängig von der Frage, ob dies möglich oder wünschenswert… Continue Reading „9. Literaturbetriebstheorien“

8. Die der Staat lohnt und schützt

Ein Wort von Gottfried Benn zu den diversen Debatten: (…) meine Damen und Herren und alle Jugend, die antritt, in Laboratorien und Instituten, die Binde von Sais zu lüften, ich will Mißtrauen säen in Ihre Herzen gegen Ihrer Lehrer Wort und Werk, Verachtung gegen… Continue Reading „8. Die der Staat lohnt und schützt“