Kategorie: Deutsch

129. Meine Anthologie 34: Otto zur Linde, Hölzerne Säule

Hölzerne Säule Eine Säule steht von Holz, Drauf die Stimme sitzt und zieht die Beine hoch; Fragt in alle Winde und verbittet sich die Antwort. Alle Welt liegt rund in Ringen Die sich engen um die Säule Einen langen, langen Stock mit einem kurzgedrungenen… Continue Reading „129. Meine Anthologie 34: Otto zur Linde, Hölzerne Säule“

128. Die Wunde lesbar zu machen

Vor der Folie tödlichen Schweigens musste sie neue kühne Wege gehen. Wäre sie Maler, heißt es in ihren „Briefen aus der Nacht“, würde sie „das Steinerne des Steines malen“, „das Wesen des Leidens in einem Fischauge zwischen Leben und Tod“. „Hingabe ist der neue… Continue Reading „128. Die Wunde lesbar zu machen“

127. Der Weggehetzte

Bei Dao lächelt einigermaßen wehmütig, und weil Chinas bedeutendster Lyriker auch im Alter von 60 Jahren mit seinem leicht ausgefransten schwarzen Ponyschnitt noch ein bisschen an einen späten Studenten erinnert, denken wir sogleich an die Zeilen eines der berührendsten deutschen Exilgedichte: „Ich bin der… Continue Reading „127. Der Weggehetzte“

126. Meine Anthologie: und so weiter…

Heute nehme ich dies mal als Frühlingsgedicht – auch als solches spukt es mir seit, ts ts, 30, 35 Jahren im Kopf. Als ich es las, dachte ich natürlich an Prag 68 und etwas später Warschau 81. Manchmal, wenn mir die Verse einfielen, zitierte… Continue Reading „126. Meine Anthologie: und so weiter…“

124. Lust auf Lyrik

Ob als Strafarbeit, als Was-will-mir-der-Dichter-damit-sagen-Frage oder als obligatorisches Muttertagsgeschenk – die ersten Begegnungen mit Lyrik sind häufig mehr mit Frust als mit Lust verbunden und daher für viele oft auch die letzten. Mit „Lust auf Lyrik“ wurde vor fünf Jahren erfolgreich ein Modellprojekt ins… Continue Reading „124. Lust auf Lyrik“

123. Sprachraumforscher

Vom weitverzweigten Metropolengedicht über atmosphärische Skizzen und Momentaufnahmen bis zu überraschenden Zweizeilern birgt der Band von Ron Winkler einen in der Lyrik ungewohnten Abwechslungsreichtum, der zu einer extremen Lesegeschwindigkeit führt: Man will sich die Gedichte einverleiben. Und zwar schnell! Ein großer Rausch. Ron Winkler,… Continue Reading „123. Sprachraumforscher“

122. Mein Papierverlies

Als hätte er gleich den vielen dichtungslustigen Liebenden im Lenz seine Leiden und Freuden in einer Kladde festhalten wollen, präsentiert Michael Lentz neue Gedichte in Packpapierbraun und zum In-der-Tasche-Tragen. Verfassername und Titel sind in Handschrift auf dem Umschlag faksimiliert, ebenso Seitenzahlen, Kapiteltitel. Auf der… Continue Reading „122. Mein Papierverlies“

121. „Berlin meant boys“

England ist teuer, die Moral rigide, eine „schwere Decke aus Mutlosigkeit und Frustration“ liegt über dem Land, „where nobody is well“, wie Auden schreibt. Ausland bedeutet Befreiung, und Deutschland ganz besonders. D. H. Lawrence erlebt hier und mit seiner deutschen Frau Frieda von Richthofen… Continue Reading „121. „Berlin meant boys““

117. Didacta

Gewiss mag es für Sechstklässer sinnvoll sein, Vokabeln mit bunten Legekärtchen zu wiederholen. Ob es aber wirklich dazu dient, dass Achtklässer „mit Lust und Laune lesen“, wenn sie Heines Loreleylied rückwärts buchstabieren? Und wer bekommt schon ein Gefühl für Goethes Gedichte, wenn er sie… Continue Reading „117. Didacta“

115. Sprachschärfung

ZEIT ONLINE: … Lyrik. Interessieren Sie sich dafür? [Clemens] Meyer: Ja, sehr. Ich hab ein paar Spezialisten. Das kam erst in den letzten Jahren. Doch ein gutes Gedicht hat mich schon immer interessiert. ZEIT ONLINE: Welche Spezialisten? Meyer: Der leider verstorbene Wolfgang Hilbig war einer… Continue Reading „115. Sprachschärfung“

113. Wieder da

Kathrin Schmidt ist wieder da. Das ist sie natürlich schon lange – regelmäßig hat sie in den vergangenen Jahren Prosa veröffentlicht, zuletzt den hoch prämierten Roman «Du stirbst nicht» (siehe Literaturen 04/2009). Lyrik von der einst mit dem Leonce-und-Lena-Preis bedachten Autorin dagegen suchte man… Continue Reading „113. Wieder da“

112. Zeitgenosse Caravaggio

„Caravaggio ist unser Zeitgenosse“, schreibt Henning Mankell über den frühbarocken Maler Michelangelo Merisi und dichtet: „Er sieht unsere Zeit, / Bevor sie eintrifft, / Und er lässt uns selbst sehen / In der Unsicherheit, in der er selbst lebte (. . .) / Das… Continue Reading „112. Zeitgenosse Caravaggio“

111. Meisterin der Naturpoesie

Als eine „Meisterin der Naturpoesie“ ist sie einmal gelobt worden. Und auch das bewahrheitet sich in „Krähengeschwätz“ immer wieder. Pflanzen und Tiere beobachtet die Autorin mit erstaunlicher Präzision: Die Pirole im Garten, die Blaumeisen, die Graureiher am Himmel, die blühenden Moorlilien genau wie den… Continue Reading „111. Meisterin der Naturpoesie“

109. Bolzen

Es hieß in der DDR oft, die Familie sei »die kleinste Zelle der Gesellschaft«, angesichts der Bedrängungen durch Beobachtung eine ungewollt wahre Formulierung; die noch kleinere Zelle allerdings war das Ich, ein übersichtliches Observierungsobjekt. Und zwar Beobachtung in jede Richtung. Man kann es als… Continue Reading „109. Bolzen“

108. Georges Wirkung und Georges Dichtung

Als Rudolf Borchardt 1909 seine große Besprechung von Stefan Georges „Siebentem Ring“ veröffentlichte, unterschied er die epochale Bedeutung Georges für die deutsche Literatur von der Verehrung einer Gemeinde, über deren Riten schon damals schäbige Gerüchte die Runde machten: „als ob dieser Anhang es wäre,… Continue Reading „108. Georges Wirkung und Georges Dichtung“