Carmina Burana

427 Wörter, 2 Minuten Lesedauer.

Liebe und Poesie gab es zu allen Zeiten. Heute drei kleine Liebeslieder aus den durch Carl Orff populär gewordenen Carmina Burana. Die Texte sind aus dem 11. und 12. Jahrhundert.

1

108 a. fol. 60. (185)

Vvⱸre div werlt alle min
von deme mere ůnze⁴ an den rin,
des wolt lh mih darben,
daz diu chünegin⁵ von engellant
lege an minen armen.

⁴ Sch. unze (meine Anm.: Sch. = die Ausgabe von Schmeller 1847; das u in der vorliegenden Ausgabe mit darübergestelltem kleinem e, also ü)
⁵ Hs ursprünglich ‘daz chünich von,’ (!) (hier wieder u hoch e)
aber chünich gestrichen und offenbar von späterer Hand ‘diu chünegin’
darübergesetzt. Vgl. dazu MF.

Aus Lüers, Friedrich (Hrsg.): Die deutschen Lieder der Carmina Burana. Nach der Handschrift Clm 4660 der Staatsbibliothek München. Bonn: A. Marcus und E. Weber’s Verlag, 1922, S. 14

Textnah übersetzt:

Wäre die ganze Welt mein,
vom Meer bis an den Rhein,
darauf wollte ich verzichten,
wenn die Königin von England*
in meinen Armen läge.

(*) ursprünglich: der König!

2

129 a. fol. 67 b. (203)

Swaz hie gat umbe,
daz sint allez⁸ megede
die wellent an man
allendisen⁹ sumer gan.

⁸ Sch. und Hs z klein hochgestellt
⁹ Hs das n zwischen ‘alle’ und ‘disen’ ist nachträglich eingefügt

Textnah übersetzt:

Was hier im Kreis herumgeht,
das sind alles Mädchen;
die wollen ohne Mann
diesen ganzen Sommer gahn!

3

Chume, chume geselle min,
ih enbite harte din
ih enbite harte din
chum, chum geselle min.

Suozer* roser varwer⁵ munt
chum vnd mache mich gesunt
chum vnd mache mich gesunt
suozer roservarwer munt.

(*) u mit hochgestelltem o
⁵ Sch. roservarwer

Textnah übersetzt:

Komm, komm, Geselle mein,
ich warte sehr dein,
ich warte sehr dein,
komm, komm, Geselle mein.

Süßer, rosenfarbener Mund,
komm und mach mich gesund,
komm und mach mich gesund,
süßer, rosenfarbener Mund.

In der Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern unter Seiji Ozawa beginnt der Reigen „Swaz hie gat umbe – Chume, chum, geselle min“ etwa bei 26:30; unmittelbar danach folgt „Were diu werlt alle min“.

Hier noch Orffs Text dieser Passage:

9. Reie (Reigen)
Swaz hie gat umbe
daz sint allez megede,
die wellent an man
alle disen sumer gan!
Chume, chum geselle min,
ih enbite harte din.
ih enbite harte din,
Chume, chum geselle min.
Suzer rosenvarwer munt,
chum un mache mich gesunt,
chum un mache mich gesunt,
Suzer rosenvarwer munt.
Swaz hie gat umbe
daz sint allez megede,
die wellent an man
alle diesen sumer gan!

10. Were diu werlt alle min

Were diu werlt alle min
von deme mere unze an den Rin,
des wolt ich mih darben,
daz diu chünegin von Engellant
lege an minen armen.

One Comment on “Carmina Burana

  1. Danke für diese wunderbaren Verse. Das erinnert mich an mein Studium.

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