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Veröffentlicht am 1. Januar 2025 von lyrikzeitung
Georg Maurer
(* 11. März 1907 in Reghin (Sächsisch Regen), Siebenbürgen, Königreich Ungarn, heute Rumänien; † 4. August 1971 in Potsdam)
TRÜBE STUNDE
Mein Herz verläßt mich, springt mir nicht bei.
Einen Arzt brauch ich. Der könnt mir wohl helfen.
Schuldig ist er und nennt es krank sein.
Lippe liegt auf Lippe wie Zentner auf Zentner.
Wie soll ich leben als Stummer –
Alles hat er zu sagen und nennt es stumm sein.
Die Sonne seh ich nicht und den Mond nicht.
Was soll ich auf der Welt als Blinder –
Er scheut sich zu sehn und nennt es blind sein.
Das Jahr ist zu End, und das End ist nicht gut.
Man soll seinen Tag nicht loben vor dem Abend.
Neujahr ist, und er nennt es Jahrend.
Aus: Georg Maurer, Bäume im Rosental. Gedichte. Herausgegeben von Heinz Czechowski. Leipzig: Reclam, 1987, S. 78f. – Das Gedicht stammt aus dem Band Gespräche (geschrieben 1964/65, erschienen 1967).
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Georg Maurer
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