Spleen

Jiří Karásek ze Lvovic

(eigentlich Josef Karásek  („aus Lvovic“), * 24. Januar 1871 in Smíchov, heute Teil von Prag; † 5. März 1951 in Prag) 

SPLEEN 

Mein einziger Freund, der stets mich treulich mußt begleiten, 
Mein Spleen! Wenn Mitternachts am Himmel stehn die Sterne, 
Seh ich der Hoffnung Grab, seh düstre Stunden schreiten 
Wie Tänzerinnen matt und schleichen in die Feme . . .

Es schweigt die Welt. In mir verglimmt des Lebens Funken. 
Das Herz ist leer und öd, kann nimmer sich ent­zünden.
Und Lieb? — — An ihrem Quell hab einmal ich getrunken.
Und Ruhm? Ich seh ihn trüb auf immer mir ent­schwinden.
Nichts haben, sterben . . .! Müd macht alles, und gebrochen.
Und Liebe kündet nichts, als was sie stets ge­sprochen, 
Stets steigt ein Qualm vom Licht, das einst uns hat erhellt.

Nur Öde bringt der Traum und trügerische Beute. 
Wer gestern ward geliebt, ist gleichgültig uns heute, 
Der Schatten an der Wand ist mehr als alle Welt.

Deutsch von J.V. Lovenbach, aus: Jüngste tschechische Lyrik. Eine Anthologie. Hg. Franz Pfemfert. Berlin-Wilmersdorf: Die Aktion, 1916 (Reihe: Die Aktions-Lyrik), S. 56

Das Original habe ich nicht gefunden – hier offenbar ein anderes Gedicht mit gleichem Titel, aus der Sammlung „Zazděná okna“ (Vermauerte Fenster). Gedichte, 1894.

SPLEEN

Den za dnem plouží se tak mdlý, tak mdlý,
jak z cel když v kápích chodbami jdou mniši.
Šer zhuštěný, v němž barvy uhasly,
vše zalévá, že oko nerozliší,
kde nebe šedivé, kde země šedá,
kde křivka obzoru je zsinalá a bledá.
Vše prší popelem a mísí se a smývá
v tom svitu klamivém, jenž zpola roven stínu.
A zrak se v prázdno jen a v slité kouře dívá
a v chmury sražené, z nichž cítit vlhkost cínu.

Hned duše po noci, hned zase po dni touží.
Hned tmou se zpíti chce, hned zase žárem spálit.
Krok prázdnou jizbou zní, kde únava se plouží.
A posléz znudí vše v tom svitu, mhou jenž zalit
A deštěm popela a smutkem jeho skonu,
V tom šeru bez kontur a ostrých čar a rysů,
Bez barev záchvějův a bez hýření tónů,
Kde v stíny plíživé vše dlouží se a schvívá.

A duše znavena se smutkem všeho splývá.

ze sbírky Zazděná okna, 1894

One Comment on “Spleen

  1. Hat dies auf Textkette rebloggt und kommentierte:
    Ob es vielleicht mehrere Gedichte mit dem Titel „Spleen“ von Jiri Karasek gibt? Der tschechische Text hier unten scheint nicht die Vorlage für die deutsche Übersetzung zu sein. Ich habe mal etwas Tschechisch gelernt und entziffere den Anfang so: „Tag für Tag regnet es so schwach, so schwach…..“

    Gefällt 2 Personen

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