Martin Luther

Giambattista Marino 

(Giovan Battista Marino, Marini;  * 18. Oktober 1569 in Neapel; † 25. März 1625 ebenda) 

Germanistikstudenten könnten seinen Namen gehört haben, Texte gelesen aber vielleicht nicht. Vor allem in älteren Lexika und Literaturgeschichten gilt er als Verantwortlicher für Schwulst-Exzesse zum Beispiel in der deutschen (Marinismus), spanischen (Góngorismus) oder englischen Literatur (Euphuismus). Sein Geburtstag wird in verschiedenen Wikiartikeln als 14. Oktober angegeben, in gedruckten Quellen als 18. Heute also zu einem möglichen Geburtstag ein Gedicht über einen deutschen Mönch. Er wird darin wenig freundlich als Hyäne, Spinne, Frosch oder Python apostrophiert. (Die englischen Königin Elizabeth nennt er gar Gottesschänderin.) Er war also katholisch.

Vor einigen Jahren erschien im Leipziger Verlag Reinecke & Voß: Episteln und Pistolen : eine barocke Dichterfehde / Giambattista Marino & Gaspare Mùrtola. Ausgew. und erstmals aus dem Ital. übertr. von Jürgen Buchmann. Leipzig : Reinecke & Voß, 2013, 1. Aufl.

Martin Luther

Fuchs bösen Willens, der die Blumenerde
Von Christi Weinberg laut zerwühlt und leise.
Gemeiner Wolf, der trügerischerweise
Verriet und biß die treue Lämmerherde,

Entflohn der Arche, Rabe von Gebärde,
Dem Dreck und Abfall Nahrung, Lust und Speise;
Hyäne, niederträchtig Stimm' und Weise
Menschlich nachahmend, daß sie Lüge werde,

Als Spinne stellst du auf zum Fliegenfangen
Das Netz der Ketzerei; du Frosch geschwätzig
Willst aus dem Sumpfe Seligkeit erlangen.

Du Python ! Weltersticker, Hydra, kretzig
Mit tausend Köpfen: wagst du sonder Bangen
Harmlos zu scheinen, doch im Fraß entsetzlich?


Deutsch von Edward Jaime, aus: Beispiele manieristischer Lyrik. Hrsg. Gerd Henniger. München: dtv, 1970, S. 53f

MARTINO LUTERO

     Volpe malvagia, che ’l terren fiorito
de la vigna di Cristo incavi e rodi;
lupo fellon, che con furtive frodi
il fido ovile hai lacero e tradito;
     immondo corvo, che, de l’arca uscito,
di putrid’ésca ti nutrisci e godi;
perfida iena, che ’n sagaci modi
formi d’umana voce un suon mentito;
     iniqua aragna, che a le mosche ordisci
reti vane d’error; rana loquace,
che, sommersa nel fango, al ciel garrisci;
     Piton, che ’l mondo ammorbi; idra ferace
di mille avide teste, ahi! come ardisci
sotto aspetto vezzoso esser vorace?

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