du 1% quotenschweizer, sag ja zur lyrik!

Tanja ‚Lulu‘ Play Nerd

du 1% quotenschweizer, sag ja zur lyrik!
(das anbrechen einer neuen zeitrechnung)

dieses gedicht stammt aus einer zeit vor meiner geburt. ich schrieb es drei jahre bevor ich zur welt kam. obwohl das für dich einfach unmöglich erscheint. wenn du es im 21.jahrhundert zu lesen bekommst. weil echte zeitreisen erst ab dem 23.jahrhundert technisch ausgereift waren. weshalb ich zunächst von einem großen fan meiner eigenen gedichte aus der zukunft. in seine gegenwart entführt werden musste. damit ich von dort aus nach 1979 zurückreisen konnte. um dieses gedicht in dieser vergangenheit geschrieben haben zu werden. ich widme dieses gedicht meinen geschätzten kollegen. aus der gesamten deutschsprachigen lyrikszene. die damals noch lebten und im allerersten jahrbuch der lyrik vom herausgeber Karl Otto Conrady veröffentlicht wurden. ich widme es also: Oda Schaefer. Rose Ausländer. Wolfgang Weyrauch. Lotte Paepcke. Hans Peter Keller. Karl Krolow. Hildegard Wohlgemuth. Josef Büscher. Margarete Hannsmann. Otto Heinrich Kühner. Ingrid Würtenberger. Erika Burkart. AUS AARAU IN DER SCHWEIZ! Walter Höllerer. Heinar Kipphardt. Heinz Winfried Sabais. Jochen Hoffbauer. Rudolf Langer. Franz Liebl. Kay Hoff. Friederike Mayröcker. Wolfgang Bächler. Ernst Jandl. Gisela Pfeiffer. Heinz Piontek. Franz Mon. Walter Neumann. Dagmar Nick. Hugo Ernst Käufer. Oskar Pastior. Fritz Pratz. Richard Anders. Edwin Wolfram Dahl. Astrid Connerth. Walter Helmut Fritz. Wolfgang Hädecke. Kurt Küther. Josef Reding. Peter Rühmkorf. Karl Alfred Wolken. Hans-Jürgen Heise. Roger Loewig. Dieter P. Meier-Lenz. Kurt Morawietz. Jürgen Becker. Fritz Deppert. Harald Hartung. WAS WAREN DAS DOCH FÜR ZEITEN! Lorose Keller. Günter Lanser. Arnfrid Astel. Horst Bingel. Peter Härtling. Christel Guhde. Dieter Hoffmann. Arno Reinfrank. Fritz Werf. Rolf Haufs. Bruno Hillebrand. Christoph Meckel. Otto Sahmann. Gottfried Schäfer. Elke Oertgen. Klaus M. Rarisch. Karin Voigt. Jean Apatride. Ingeborg Görler. Jochen Lobe. Gerd Norias. Hannelies Taschau. Helder Yureen. Michael Buselmeier. Christoph Derschau. Harald Gröhler. Renate Krämer. Rainer Malkowski. Hans Dieter Schäfer. Hans-Jörg Modlmayr. Konrad Rabensteiner. Guntram Vesper. Ute Zydek. Gerd-Peter Eigner. Hanne F. Juritz. Gerhild Michel. Gerhild Wirth. Gregor Laschen. AUS CASABLANCA IN MAROKKO! Godehard Schramm. Mathias Schreiber. Johann P. Tammen. Peter Paul Zahl. ZUR ZEIT IN DER JUSTIZVOLLZUGSANSTALT! Sigfrid Gauch. Dietmar Ortlieb. Ralf Thenior. Ludwig Fels. Bernhard Laux. Peter Maiwald. Heidi Wegner. Ursula Krechel. Claus-Peter Lieckfeld. Rainer René Müller. Jürgen Wellbrock. Wolfgang Fienhold. Gerhard Falkner. Norbert Ney. Uwe-Michael Gutzschhahn. und Bodo Morshäuser. als geborene schweizerin bin ich stolz darauf. dass mein geliebtes herkunftsland. damals schon zu 1% anteil lyrik vertreten war. DAS WAREN NOCH ZEITEN! als die dichter (laut Conrady schon seit 1975) ihr „ich“ wiederentdeckten. und dadurch zu neuer innerlichkeit, subjektivität, sensibilität und privatheit erstarkten. während die schweizer wie immer ihren sonderweg einschlugen. abgesehen von Erika. denn die wollte unbedingt mitmachen. und dichtete wie es der zeitgeist verlangte. und landete prompt in dem ersten jahrbuch für richtige lyrik. mit ihren gedanken über das leben, den tod, die nacht, den nebel und andere tiefsinnige erschütterungen des herzens. DAS WAREN NOCH ECHTE GEDICHTE! die letzten großen begriffe hatten noch vornamen. die zwar genau so geheim blieben wie heute. doch allein ihre anspielung erlaubte ein staunen. und immerhin folgte auf Erikas beiträge der traum von Walter Höllerer. den ja nun jeder kennt. also den Walter. oder den traum. der nur ein teil eines „langen gedichts“ war. als schweizerin bleibe ich spätestens an diesem punkt der anthologie. ausgesprochen n e u t r a l. um mir die lust auf den rest nicht zu verderben. ich bin erst auf seite 19 des schweren buches. das raue papier ist dick und fest. mein privates, subjektives und innerliches ich nimmt sich die zeit. die es braucht um die zukunft zu erreichen. in der diese gedichte geschichte sind. und geschichte bleiben. während dieser vorliegende text. erst im jahre 2020 gelesen wird. denn als ich mich damit für das jahrbuch nummer 2 bei Conrady bewarb. hielt er es für einen schlechten witz. und empfahl mir die psychiatrie. mehr lob ist 1979 wohl kaum zu erwarten. der ritterschlag durch die hand eines königs. darf dich auch notfalls enthaupten. denn eines ist sicher: du wirst dadurch zum adligen engel. und hast einen platz im olymp der geköpften poeten schon vor deiner geburt. posthum verleihen sie dir dann den nobelpreis. und schon ist dein verdammtes leben als quotenschweizerin. eine runde sache zeitloser schönheit. wie ein klassisches uhrwerk ohne zeiger. mit wörtern über den zahlen: das NICHTS für die 1, das SEIN für die 2, das ALL für die 3, die ERDE für die 4, der GEIST für die 5 – und beim letzten atemzug der SINN für die 24. frohe weihnachten und einen guten rutsch!

(5.12.2020)

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