Elegie / Elegija

Alexander Puschkin

(Александр Серге́евич Пу́шкин, wiss. Transliteration Aleksandr Sergeevič Puškin; * 26. Mai jul./ 6. Juni 1799 greg. in Moskau; † 29. Januar jul./ 10. Februar 1837 greg. in Sankt Petersburg)

ELEGIE

Die längst verloschne Lust der tollen Tage
Quält wie ein Rausch nach einem Zechgelage.
Doch das vergangne Leid, das ich bewahr.
Wird stärker wie ein Wein mit jedem Jahr.
Mein Weg ist kalt. Mir kündet Müh und Sorgen
Das Nebelmeer des ungewissen Morgen.
Allein, ich will, o Freunde, nicht verscheiden.
Will leben, um zu denken und zu leiden!

Ich weiß, es wird der Freude reiner Kuß
Mich rühren zwischen Unruh und Verdruß,
Mich werden wieder Harmonien stillen.
Mir werden beim Gedichte Tränen quillen.
Und Liebe wird des Lebens dunkle Grenzen
Vielleicht, zum Abschied, lächelnd überglänzen.

Übertragen von Sigismund von Radecki

Aus: Poesiealbum 169. Alexander Puschkin. Ausgewählt von Eva Strittmatter. Berlin: Neues Leben, 1981, S. 25

Элегия

Безумных лет угасшее веселье
Мне тяжело, как смутное похмелье.
Но, как вино – печаль минувших дней
В моей душе чем старе, тем сильней.
Мой путь уныл. Сулит мне труд и горе
Грядущего волнуемое море.

Но ве хочу, о други, умирать;
Я жить хочу, чтоб мыслить и страдать;
И ведаю, мне будут наслажденья
Меж горестей, забот и треволненья:
Порой опять гармонией упьюсь.
Над вымыслом слезами обольюсь,
И может быть – на мой закат печальный
Блеснет любовь улыбкою прощальной.

1830

Elegie

Die erloschene Fröhlichkeit törichter Jahre / wird mir schwer wie ein trüber Katzenjammer. / Doch es ist wie beim Wein: je älter, desto stärker / in meinem Herzen der Gram vergangener Tage. / Trostlos ist mein Weg. Schwere Arbeit und Leid verheißt mir / der Zukunft unruhiges Meer.

Doch möchte ich, ihr Freunde, nicht sterben; / leben möchte ich, um zu denken und zu leiden; / und ich weiß, unter all dem Kummer, all den Sorgen und Aufregungen / werden mir noch Wonnen zuteil: / Bisweilen werde ich mich wieder an der Harmonie berauschen, / über etwas gut Erdachtem in Tränen ausbrechen, / und vielleicht wird bei meinem traurigen Fortgang / unter Abschiedslächeln die Liebe aufleuchten.

Übersetzt von Kay Borowsky. Aus: Alexander Puschkin, Gedichte. Russisch / Deutsch. Stuttgart: Reclam, 1998, S. 99

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