Ein Nachtlied

Die Nacht vom 6. auf den 7. September 1780 verbrachte Goethe in einem Häuschen auf dem Kickelhahn genannten Berg bei Ilmenau. Dort schrieb er das Gedicht mit dem berühmten Anfang „Über allen Gipfeln ist Ruh“ mit Bleistift auf die Holzwand. Er kam öfter wieder, 1813 erneuerte er die Handschrift und signierte: „Ren(ovatum) 29. August 1813.“ Zuletzt besuchte er das Haus am 27. August 1831. Das „Goethehäuschen“ genannte Haus wurde ein Wallfahrtsort der Literaturfreunde. Drunter auch der ein und andre Frevler, der etwas dazuschrieb – einer wollte gar das Stück heraussägen, wurde aber überrascht und mit Faustschlägen davon abgebracht. Am 12. August 1870 benutzten Beerensammler das offene Haus, um die regennassen Kleider zu trocknen. Weil sie die Glut nicht löschten, brannte das Haus ab. Immerhin war die Inschrift fotografisch gesichert worden.

Das Gedicht des Tages heute in der Bretterwandfassung, so gut sie sich entziffern lässt:

Über allen Gipfeln
ist Ruh.
In allen Wipfeln
Spürest du
kaum einen Hauch!
Die Vögel schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Gemeinfrei, Quelle: Wikipedia

Goethe druckte das Gedicht zuerst in einer Werkausgabe 1815 mit wenigen Abweichungen: Großschreibung der Zeilenanfänge, Normalisierung der Zeichensetzung und als einzige Abweichung im Wortlaut: Vögelein statt Vögel. In Abschriften des Gedichts von Herder und L. v. Göchhausen steht statt Gipfeln: Gefilden. In dieser Form ist das Gedicht ohne Goethes Zustimmung bereits 1803 von Kotzebue veröffentlicht worden, anscheinend nach einem früheren Raubdruck von 1800. Im Februar 1801 erschien es in der britischen Zeitschrift „The Monthly Magazine“, ebenfalls in leicht abweichender Form:

Ich schließe mit einer englischen Fassung von Henry Wadsworth Longfellow:

O’er all the hilltops
Is quiet now,
In all the treetops
Hearest thou
Hardly a breath;
The birds are asleep in the trees:
Wait, soon like these
Thou too shalt rest.

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