Pflichtlektüre

So kann man es einen Glücksfall nennen, dass der „Merkur“ eine neue Reihe zur Gegenwartslyrik eingerichtet hat, die „inter_poems“, in der jeweils deutsche Lyrikeri(innen) die Sprachgrenzen überschreiten und auf internationale Autoren aufmerksam machen. Im August-Heft beschäftigt sich die Dichterin Uljana Wolf mit der kanadischen Poetin Erin Moure, die den Versuch unternommen hat, mittelalterliche Troubadour-Lyrik in portugiesisch-galizischer Sprache in ein zeitgemäßes Englisch zu bringen. Moures Gedichtübertragungen orientieren sich, so Uljana Wolf in ihrem „Merkur“-Essay, „an den „klanglichen <Tapisserien> der Worte, ihren Wiederholungen und Mustern“.

Im September-Heft des „Merkur“ macht sich Dagmara Kraus Gedanken über eine ganz spezifische Art von Schöpfungs-Poesie – über Dichterinnen, die ihre Mutterschaft thematisieren. Denn mit einem brüllenden Säugling vermögen Dichterinnen kaum mehr zu schreiben. Mit der polnischen Dichterkollegin Joanna Mueller stellt Dagmara Kraus indes eine Autorin vor, die ihre Mutterschaft auch poetisch fruchtbar macht, als „intima thule“ und dadurch eine Urszene schafft, so wie sie auch die Dichterin Kerstin Preiwuß schildert: „Was ist Gebären anderes als Anfang und Ende von allem.“

Es zeigt sich: Der „Merkur“, der sich lange Jahre sehr zurückhaltend zeigte in Sachen Dichtkunst, ist nun wieder Pflichtlektüre für Freunde der Poesie. / Michael Braun, Poetenladen

Merkur, Heft 8, 9, 10 /2016  externer Link
Klett-Cotta, Redaktion: Mommsenstr. 29, 10629 Berlin. Je 110 Seiten, je 12 Euro

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