Rimbaud in der Schweiz

Die Schriftstellerin Gertrud Leutenegger besichtigt den schmelzenden Rhonegletscher und erzählt, wie Arthur Rimbaud im Winter 1878 über den Gotthard ging.

(…) Was bewog Arthur Rimbaud im November 1878, das Reiseziel Ägypten vor Augen, von den Ardennen her über die Vogesen die Schweiz erreichend, den verschneiten Gotthard überqueren zu wollen? In den Hafen von Genua, wo das Schiff nach Alexandria wartet, führen bequemere Wege. Rimbaud hat sich nun einmal den gefahrvollen Gotthardweg, der im 19. Jahrhundert auch im Winter offen war, in den Kopf gesetzt, als vorauszusehende Heldentat, wie er in einem Brief an die Familie das Unternehmen wohl eher ironisch bezeichnet. Dieser Bericht, ebenso sprunghaft wie streckenweise bemerkenswert detailliert, als registriere er die Bergwelt mit dem Auge eines Geografen, sticht unter den sonst knapp gehaltenen Nachrichten durch seine Ausführlichkeit hervor. Wie jung ist Rimbaud noch! Aber er ist schon alt. Alles, was seinen strahlenden Ruhm begründen wird, liegt hinter ihm. Er ist vierundzwanzig und hat die Poesie revolutioniert, ästhetische Strategien etabliert, mit kaltem Vorsatz die Selbstzerstörung betrieben. (…) / NZZ 30.4.

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