Leseecke 1

Leseecke ist eine neue Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde in den nächsten 154 Tagen mir jeden Tag eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und von Fall zu Fall zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts).
Sonette 1-7 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

1

FRom fairest creatures we desire increase,
 That thereby beauties Rose might neuer die,
 But as the riper should by time decease,
 His tender heire might beare his memory:
 But thou contracted to thine owne bright eyes,
 Feed’st thy lights flame with selfe substantiall fewell,
 Making a famine where aboundance lies,
 Thy selfe thy foe, to thy sweet selfe too cruell:
 Thou that art now the worlds fresh ornament,
 And only herauld to the gaudy spring,
 Within thine owne bud buriest thy content,
 And tender chorle makst wast in niggarding:
    Pitty the world, or else this glutton be,
    To eate the worlds due, by the graue and thee.

Einige Anmerkungen zum Text:

1 increase hier: Nachwuchs, Nachkommen

2 neuer never (wie in deutschen Texten der Zeit sind u und v ohne erkennbare Regel austauschbar)

3 the riper die reifere (Rose)

4 heire Erbe, Nachkomme

5 contracted a) anvertraut, verlobt, b) geschrumpft, eingeschränkt

6 self-substantial von deiner eignen Substanz zehrend

10 gaudy froh, erfreulich

11 content a) Glück, b) Inhalt (also hier Nachkomme, das was du enthältst). Damals auf der zweiten Silbe betont.

12 tender churl liebenswerter Knauser niggarding geizen, knickern

13: hab Erbarmen mit der Welt, sonst wirst du so ein Vielfraß

14 the world’s due was du der Welt schuldest (Kinder) by the… das Grab oder du selbst verzehren es

Deutsche Fassung von Karl Kraus:
Ein schönes Wesen wünscht man fortgesetzt,
daß nie der Schönheit Rose ganz vergehe,
und welkt sie durch die Zeit, daß unverletzt
im schönen Sproß das Schöne auferstehe.

Du aber, nur dem eignen Strahl verbunden,
du, nur genährt, verzehrt von deinem Glanze,
du hast, dich neidend, deinen Feind gefunden,
der dir im Vollbesitz mißgönnt das Ganze.

Du, der die Welt beglückt mit jedem Reiz,
des Frühlings Herold, der mit vollen Händen
versagt im Spenden, du gewährst dem Geiz,
dich endlich in dir selber zu verschwenden.

Gewähre dich der Welt, der zugehört
die Schönheit, die das Grab der Zeit verzehrt.

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