Vor 100 Jahren starb der nikaraguanische Dichter Rubén Darío

„Lieb deinen Rhythmus lass rhythmisch werden dein Handeln
folg seinem Gesetz wie auch deinem Dichten.
Ein Universum von Universen trägst du in dir
und deine Seele ist ein Quell des Gesangs.“

Mit solchen Versen machte ein junger nicaraguanischer Dichter 1888 auf sich aufmerksam: Rubén Darío. Er war rund zwanzig Jahre zuvor als Félix Rubén García Sarmiento in der Kleinstadt Metapa geboren, die heute seinen Namen trägt: Ciudad Darío. Schon früh galt er als dichterisches Wunderkind und hat später mit seiner Poesie die spanisch-sprachige Literatur verändert: ihr den Anstoß zu der überfälligen Modernisierung gegeben, die sie von den Fesseln akademischer Normen und den Stereotypen schlichter Milieuschilderungen befreite. In dem schmalen Band „Azul“ (Blau) von 1888 kümmerte er sich schon nicht mehr um die vorherrschenden Ideale des Wahren, Guten und Schönen und der damit verbundenen Pflicht der Belehrung. Juan Valera, ein zeitgenössischer spanischer Schriftsteller, formulierte den neuen literarischen Anspruch in einer Rezension des Bandes so:

„Wenn man mich fragen sollte, was Ihr Buch lehrt und wovon es handelt, würde ich ohne zu zögern antworten: Es lehrt nichts und handelt von nichts und von allem.“

Zwei Jahre später prägte Rubén Darío in einer erweiterten Neuauflage von „Azul“ den Begriff des „Modernismo“ für die literarische Strömung, die rasch um sich greifen sollte. Die Presse bejubelte „… den neuen Geist, der heute eine kleine, aber triumphierende und großartige Gruppe von Schriftstellern und Dichtern des spanischen Amerikas beseelt.“ / Peter B. Schumann, DLF

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