Literarisches Greifswald (2)

Eine schwarze Phantasie aus Greifswald. Wolfgang Koeppen, der als junger Mann in Greifswald Kafka las, dann die Stadt verließ und Autor wurde. Im Alter erschrieb er sich eine Jugend:

Ich war Raskolnikow. Ich war einer aus den Dämonen. Der aus dem Kellerloch. Der aus dem Totenhaus. Ich hatte unterm Galgen gestanden. Der Bote war noch einmal gekommen. Begnadigt. Die Schlinge hing locker.
Ich zündete die Stadt an. Erdmanns Warenhaus brannte. Eine Fackel in der Nacht. Das Rathaus brannte. Meine Stammrolle verbrannte. Das war gut. In Flammen stand das Gericht. Ich öffnete das Gefängnis. Ich verteilte die Waren der Geschäfte an die Armen und die befreiten Gefangenen. Aus Buggenhagens Buchhandlung bekam jeder ein Buch. Das Geld der Sparkasse auf die Straße. Kinder spielten mit den Scheinen, formten Schiffchen, setzten sie in die Gosse.
Vielleicht liebte ich die Stadt. Ich stülpte sie um. Ich vernichtete ihre Ordnung. Ich störte die Feier.

Erdmanns Warenhaus
Erdmanns Warenhaus

Erdmanns Warenhaus steht an der Ecke des Markts, dem Rathaus gegenüber. In der DDR war es ein staatliches Warenhaus. Nach der Währungsunion war es nicht zu halten. In den 90er Jahren kam es zur Boddenbuchhandlung, später Weiland, heute Hugendubel.

Erstausgabe von Koeppens "Jugend"
Erstausgabe von Koeppens „Jugend“

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