Stuhlkreis

Der New Yorker Lyriker Joshua Mehigan und sein Übersetzer, der Lyriker Christophe Fricker, finden auf den Frankfurter Lyriktagen eine überraschende Antwort auf die Frage nach dem Gegenwartsmerkmal zeitgenössischer Dichtung. Blankvers und Metrum, Rhythmus und Reim sind Jahrtausende alt und doch hochaktuell, wie die Lyriker im vollbesetzten Mousonturm-Lokal demonstrieren. Die traditionellen Ingredienzien der Dichtkunst sollen vor allem wieder eine Brücke zum Leser bauen. „Es gab ein langes 20. Jahrhundert mit Lyrikern, die sich von Lesern abgewendet haben. Es ist Zeit, das zu ändern“, so Fricker.

Folgerichtig eröffnet der 37-Jährige seinen Leseblock mit dem Gedicht „An den Leser“ aus seinem neuesten Band „Meet Your Party“. Im Gegensatz zu Baudelaires gleichnamigem Gedicht, das den Leser noch als Heuchler beschimpfte, heißt es bei Fricker wohlwollend: „Ich glaube doch,/Dass wir uns wiedersehen werden,/ In Ruhe zueinander kommen,/Wir beide und wir alle, die wir/Zu fassen suchen, was uns antreibt.“ Das ist zwar jambisch schön konstruiert und verbreitet Gemütlichkeit, aber auch einen Hauch von Stuhlkreis-Atmosphäre. Lyrik, sagt Fricker, sollte dem Leser keine Rätsel aufgeben, sondern das alltägliche Leben feiern, zum Beispiel einen „Korb voll Blaubeeren unter wolkenlosem Himmel“. / Christina Lenz, Frankfurter Rundschau

2 Comments on “Stuhlkreis

  1. party could be your other part. or like when you‘re party to something. a party in a court case, for example. a political party. meet your party. I am no rilke-fan either – too much Feier, way too much. „rilke atmete pausenlos“ (jandl) wonder why so many people liked this article. that quote up there sounds much too simple. but everyone wants to be relevant, and have an audience to connect with. a very broad audience, in a way. there is a time for every thing under heaven. time to go to a party.

    Liken

  2. Ob hier nicht ein Missverständnis seine Fittiche breit macht? Natürlich wendet(e) sich Lyrik (nicht nur) von Lesern ab: freilich nicht von ›den‹; nur von solchen, denen die Anstrengung des Lesens als Erkenntnisarbeit als Zumutung anmutet(e). Außer einem ›Gefühl‹ kuschligen Wohlbehagens (ohne Grundlage; Stichwort: ›Cocoonig‹) kann bei jenen (eigentlich Nicht-) Lesern wohl nichts ankommen. Von Rilke weiß man, dass Verse eben keine Gefühle sind … Apropos Rilke (ich bin kein Rilke–Fan …): ›Feier‹ – spielte in seinem Lexikon eine Rolle. ›Party‹ klingt aber eher nach der Vermeidung von Anstrengung. Feel-good-Literatur, garantiert ohne Nebenwirkungen … ob das nun so neu ist, sei dahingestellt. Der ›Korb voller Blaubeeren …‹ klingt jedenfalls penetrant nach Danone-Fruchtjoghurt-Claim. In diesem Sinne: Wörter zur Körben! Oder so.

    Liken

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: