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Veröffentlicht am 12. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Dank Kontakten des Philosophen Walter Benjamin, der ihr Cousin war, wurden einzelne ihrer Gedichte in angesehenen Zeitschriften und Anthologien publiziert und gewürdigt. Thema ihrer Gedichte sind das Fremd- und Anderssein als Frau, Dichterin und Jüdin in dieser Welt: »Ich bin fremd. / Weil sich die Menschen nicht zu mir wagen, / Will ich mit Türmen gegürtet sein, / Die steile, steingraue Mützen tragen / In Wolken hinein.«
Aus einem Gefühl der Ohnmacht geschrieben, prangern ihre Texte in einem rebellischen Gestus die Herzlosigkeit der Welt an. In »Das Wort der Stummen« und »Die Frau und die Tiere« erhebt Kolmar ihre Stimme für die Verachteten und Stigmatisierten: »Lache, mein Auge, eh du weinen musst! / Und du weinst ja nicht allein!«
(…) Keine Illusionen hatte sie über die faschistische Terrorherrschaft: »Ein Galgenkreuz, ein Dornenkranz / … / Ein Stiefeltritt, ein Knüppelstreich / im dritten, christlich-deutschen Reich.« Sie hätte Deutschland – wie ihre Geschwister – verlassen können, blieb aber ihrem kranken Vater zuliebe.
(…) Kolmars Vater wurde in Theresienstadt ermordet, sie selbst am 27. Februar 1943 im Rahmen der sogenannten Fabrikaktion in Berlin verhaftet, am 2. März nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie höchstwahrscheinlich schon einen Tag später in der Gaskammer ermordet. / Christiana Puschak, junge Welt
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Christiana Puschak, Gertrud Kolmar
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