36. Eine Generation

„Die schwarze Nacht gab mir schwarze Augen. / Doch ich suche mit ihnen das Licht.“ Das Gedicht Eine Generation ist lediglich zwei Verse lang, verfasst von Gu Cheng, geboren 1956 in Peking. In wenigen Worten hat Cheng das Gefühl der „verlorenen Generation“ in China zum Ausdruck gebracht; das kann so nur ein Gedicht oder ein Song. Gu Chengs Lyrik machte ihn in seiner Heimat zur Persona non grata. Er exilierte nach Neuseeland, wo er am 7. Oktober 1993 zunächst seine Frau und dann sich selbst tötete.

Die Geschichtsschreibung dieser Literatur ist eine besondere, agiert zugleich verdeckt und offen. Von Ausnahmen abgesehen, sind es ja nicht Zahlen und Fakten, mit denen historisch einschneidende Situationen oder gesellschaftliche Großwetterlagen in den Blick genommen werden. Fiktion und Faktisches treten in ein unauflösbares Spannungsverhältnis zueinander, und in ihrer bildlichen Rede erzeugen Gedichte wie das von Cheng ebenso intensive Eindrücke wie ein Augenzeugenbericht. / Beate Tröger in einer Rezension der Anthologie von Joachim Sartorius, Freitag

Hier noch ein informativer Auszug:

Angehängt sind in einer Schreckenskammer Gedichte von Josef Stalin, Mussolini, Mao Tse-tung, Kim Il-sung und Radovan Karadžić, auf Muammar al-Gaddafis seichte Verse hat Sartorius dagegen wohlweislich ganz verzichtet.

Niemals eine Atempause. Handbuch der politischen Poesie im 20. Jahrhundert Joachim Sartorius Kiepenheuer & Witsch 2014, 348 S., 22,99 €

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