34. Gedächtnisprotokolle

Seine Frau erfuhr damals nicht einmal, wo genau ihr Mann inhaftiert war. Nach 281 Tagen Haft und Dauerverhören im Stasi-Gefängnis Berlin Hohenschönhausen zwang man [Jürgen] Fuchs ohne Prozess zur Ausreise in den Westen. Sein Vernehmer gab ihm noch mit auf den Weg: „Legen Sie sich später nicht mit uns an. Wir finden Sie überall. Auch im Westen. Autounfälle gibt es überall.“

Fuchs hatte versucht, sich alle Verhöre aus dieser Zeit zu merken, er schrieb sie in seinem Buch „Vernehmungsprotokolle“ erst in West-Berlin nieder. Später, nach Einsicht in seine Stasi-Akten, zeigte sich eine überraschend hohe Deckungsgenauigkeit mit seinen Erinnerungen. Mit Büchern wie „Fassonschnitt“, „Gedächtnisprotokolle“, „Das Ende der Feigheit“ machte Fuchs erstmals öffentlich deutlich, welchen Krieg die DDR gegen kritische Bürger hinter der Kulisse als „Friedensstaat“ führte. Nicht nur gegen ihn. / Peter Wensierski, Spiegel

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