42. Matthew Dickman

Ich erfuhr, dass er so etwas wie eine Sensation war – in jener überschaubaren Welt, die sich für amerikanische Gegenwartslyrik interessiert. Der „New Yorker“ hatte 2009 über ihn und seinen Zwillingsbruder Michael, der ebenfalls Lyriker ist, geschrieben, und der „New Yorker“ porträtiert sonst nie Lyriker. Dickman hatte zwei Gedichtbände namens „All-American Poem“ und „Mayakovsky’s Revolver“ veröffentlicht, die beide begeistert besprochen worden waren, nicht nur in den kleinen Zeitschriften oder auf Websites, die sich mit Gedichten beschäftigen, sondern auch von Webbloggern, die von sich selbst sagten, dass sie sich für Gedichte nicht interessierten.

Dickman hatte auch an zwei Werbespots mitgeschrieben, die am Super-Bowl-Abend gelaufen waren und einiges Aufsehen erregt hatten. Er hatte eine ganze Menge offensichtlich wichtiger Literaturpreise und Stipendien bekommen, und, so wusste ich nach drei Tagen im Netz, seine Gedichte hatten bei vielen – Lyriklesern wie Lyrikignoranten – dieselbe Wirkung wie bei mir: Wer an eines geriet, war erst einmal hin und weg, sprachlos, ins Innerste getroffen. Was konnte man mit jemandem besprechen, der solche Verwirrtheiten auslöste? / Peter Praschl, Die Welt

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