84. Kühn-Sound

Ausnahme ist der Sonntag. An allen anderen Tagen schreibt er, meist in seinem Stammgasthaus, jeweils drei Gedichte: Johannes Kühn, der saarländische Autor, der im Februar 80 wurde. „Ich brauche nicht über mein Leben zu sprechen, weil ja alles in den Gedichten steht“, bekannte er. Kühn, der mit dem im Münchner Hanser Verlag erschienenen Band „Ich Winkelgast“ von 1989 endgültig in die literarische Öffentlichkeit trat, zählt gegenwärtig zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern.

Jetzt liegt ein neuer Gedichtband vor, auch er herausgegeben von Kühns Freunden Irmgard und Benno Rech: „Und hab am Gras mein Leben gemessen“. Wort- und bildmächtige Texte, die nicht zuletzt dem Alter gelten. Entstanden primär seit 2010. Durchaus mit Selbstironie hält hier ein Autor Rückschau. Er kultiviert das Bild des Grases für die Endlichkeit aller Kreatur – da denkt man unweigerlich an die Bibel und die Vertonung in Brahms’ Deutschem Requiem.

(…)

Unter anderem der Saar-Landsmann Ludwig Harig und Reiner Kunze setzten sich für Kühn ein. In seiner Lyrik schließt er an Hölderlin und Trakl an. Der romantische Topos des Wanderers ist da. In den freien Rhythmen seiner Gedichte, dem „Kühn-Sound“ (Peter Rühmkorf), erzählt er Geschichten. Nie sind Sprache und Bilder so komprimiert, dass Verrätselung oder Unzugänglichkeit das Resultat wären. Dieser Schöpfer einer modernen und oft musikalischen Lyrik, die des Reimes nicht bedarf, möchte verstanden werden. / Johannes Adam, Badische Zeitung

One Comment on “84. Kühn-Sound

  1. Hat sich irgendjemand dieser Schreiberlinge mal die Gedichte von Kühn angesehen? Da wird jemand über das grüne Grad gehypt, über das er dichtet. Eine aktuelle Lesung mit ihm sieht so aus: Flankiert von dem Ehepaar Rech werden von den drei beinahe eine dreiviertel Stunde lang Gedichte zum Thema Gras und Wiese gelesen. Wer das nicht für möglich hält, sollte sich das einmal ansehen. Danach folgen dann weitere Wald-und-Wiesen Gedichte, die an Trivialität kaum zu überbieten sind. Am Ende dieser Welt- und Realitätsflucht loben dann die Rechs das Vorgetragene und den Dichter bis er rot wird.

    Ein bezeichnendes Zitat aus dem Rechschen Nachwort zu dem aktuellen Gedichtband:
    „Das lyrische Werk von Johannes Kühn ist deswegen so umfangreich, weil er die unterschiedlichsten Themen aufgreift, auf Wunsch sogar ganze Zyklen zu einem Thema schreibt.“ (S. 147)

    Ganze Zyklen auf Wunsch also. Eine halbwegs vernünftige Kritik an Kühn müsste an dem Punkt bereits ansetzen.

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