13. Mr. Bukauski

Der „New Yorker“, die amerikanische Zeitschrift für den kulturellen Feingeist, wunderte sich. Da gäbe es lyrische Preisträger wie Howard Nemerov oder Amy Clampitt. Und man könne von Glück sagen, wenn man in einem Buchladen das eine oder andere ihrer Werke fände. Völlig anders dagegen die Situation mit dem Großen Unaussprechlichen, dem Gossenpoeten, dessen Name in keiner gediegenen Anthologie amerikanischer Gegenwartslyrik auftauche. Ganze Regale brächen geradezu nieder unter der Last seiner unzähligen Lyrik-Bände mit den ausladenden Titeln und den ausgefallenen Titel-Illustrationen. Von wem konnte hier wohl die Rede sein? Natürlich einzig von Charles Bukowski. (…)

Pound verließ Amerika, um in Italien ein glühender Verehrer Mussolinis zu werden. Nach dem Krieg durfte er dafür volle zwölf Jahre in der US-Hauptstadt Washington D.C. bei der Psychiatrie einsitzen. (…)

Emily Dickinson, die bedeutendste Lyrikerin des 19. Jahrhunderts, verbrachte praktisch ihr ganzes Leben in ihrem Schlafzimmer, mit der Arbeit an ihrem „Nachruhm“ befasst. Auf einem Schreibtischlein von der Größe eines Serviertabletts schrieb sie auf kleinen Zettelchen rätselhafte Texte, durchsetzt mit Gedankenstrichen. Als sie starb, entging ihr Nachlass nur durch Zufall dem Verbrennungstod. Im 20. Jahrhundert machte Sylvia Plath noch eine Ton-Aufnahme ihres letzten Gedichts („Daddy“, auf YouTube zu hören) bevor sie, etwas über 30 Jahre alt, den Kopf in den heimischen Gasherd legte.

Verglichen damit war Charles Bukowski eher eine harmlose Dumpfbacke. Er zog sich Pferderennen, Bier, Mahler-Symphonien und bereitwillige Frauen mittleren Alters rein. Dann tippte er seine Gedichte in die Schreibmaschine, bis zu 15 Stück an einem Abend. / Tom Appleton, Wiener Zeitung

Mit Links wie diesen:

Mehr als 100 Gedichte zum Selberlesen. Vorsicht, die Kommentare sind alle ablehnender Art.

Zufällig wieder gefunden, eine faszinierende Filmaufnahme aus dem Jahr 1970. Ein 50jähriger Bukowski liest 60 Minuten lang seine Gedichte vor jungem College Publikum, das auf seine Texte verstört und versunsichert aber auch mit Interesse und Gelassenheit reagiert, gelegentlich sogar mit amüsiertem Gelächter. Eine Sternstunde in Bukowskis Karriere, die fast 20 Jahre lang in einem Archiv ruhte.

Eine typische Bukowski-Lesung aus dem Jahr 1972, nur audio, für Kopfhörer.

Lebhafter Beitrag des ORF über Carl Weissner und Charles Bukowski. Die Sprecherin liest „Muffdriver“ für „Muffdiver“, ein Slang-Ausdruck für „Lesbe“, den sie nicht kennt.

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