14. Scharf…

Ich zitiere aus Michael Brauns Zeitschriftenlese:

Der scharfsinnigste und unver­söhn­lichste Beitrag in „Text+Kritik“ stammt indes von dem Dichter Gerhard Falkner, der in sehr un­diplo­mati­scher Weise die „Infan­tili­sierung“ und den „Vampi­rismus“ in Kunst und Lite­ratur at­tackiert. Nach einer überaus schrof­fen Ein­leitung zur An­schmieg­sam­keit, mit der sich gestan­dene Künst­ler und Dichter von ein­schlä­gigen Förder­insti­tu­tionen durch­füt­tern lassen, be­nennt Falkner zwei ele­mentare Merk­male der nach seiner Ansicht subs­tan­tiell ge­schwäch­ten Lite­ratur­pro­duktion. Da ist zum einen „das Versiegen des inneren Mono­logs“, der einst die Kraft­quelle der schöpfe­rischen Phan­tasie war. Als Ursache für diesen Ver­lust sieht Falkner die Domi­nanz des Internets und die Herr­schaft der „super­kurzen Einsatz- und Bereit­schafts­sprachen“. Das Subjekt, so Falkner, wird heute in einem stän­digen Stand by-Modus ge­halten, es wartet un­unter­brochen auf Nachricht. Der Mensch existiert auf Abruf und ist keine Minute mehr bei sich selbst. Sein ge­schrumpf­ter Lebens­raum ist der „mediale Voll­kontakt“, er bewegt sich im öffent­lichen Raum durch eine rie­sige „Kom­muni­kations­toilet­te“. Da sich das Subjekt im dauern­den Alarm­zustand be­finde, vollziehe sich eine pausen­lose „Ich-Ent­leerung“ – und der innere Mono­log werde still­gelegt.  Das Versiegen des inneren Monologs wird nach Ansicht des Polemikers Falkner flankiert durch eine mar­kante „Insuf­fizienz“ der Literatur­kritik, die sich mit der „Selbst­herr­lich­keit von Sultanen“ gegen­über Gedichten oder Romanen auf­spreize. Am Beispiel einer Kritik seines Gedicht­bands „Pergamon Poems“ moniert Falkner die Ver­kürzung des kritischen Ver­mögens auf „die Plakativität eines Wein­flaschen­etiketts“.  In einer Nebenbemerkung verweist Falkner spöttisch auf die Eilfertigkeit, mit der spe­ziell jüngere Dich­ter „mit DDR-Hinter­grund“ um Stipendien buhlen.

Naja, vielleicht wäre scharfzüngig das treffendere Adjektiv gewesen?

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