70. Bloopers 1

blooper: Versprecher {m}
blooper [coll.]: Schnitzer {m} [ugs.] [grober Fehler]
blooper [esp. Am.]: Outtake {n} [herausgeschnittene (komische) Szene]film
blooper [esp. Am.] [coll.]: Panne {f} [Missgeschick]
Missgeschick {n}: Patzer {m} [ugs.] Ausrutscher {m} [ugs.]
blooper [Am.]: Stilblüte {f}
blooper [Am.] [coll.]: peinlicher Fehler {m}

Am Sonnabend beschloß ich, einen lange gehegten Plan zu verwirklichen und eine neue (gelegentliche)  Kolumne zu starten: Bloopers. Die Idee: bei Gelegenheit einige der Fehler, die bei der täglichen Redaktionsarbeit auffallen, anzumerken. Am Sonnabend las ich etliche Beiträge zum 80. Geburtstag von Reiner Kunze, mit mehreren Bloopers. Ich kam nicht gleich dazu, aber hier die Bloopers vom 17.8.:

In diesen Gedichten wurde ein ganz anderes DDR-Bild gezeichnet als es offiziellen Verlautbarungen entsprach. Das war auch den staatlichen Ideologen bewusst, die ihn deshalb verfolgten, besonders die Germanisten unter ihnen. (Neue Presse)

Na, so wichtig waren die Germanisten auch in der DDR nicht. Natürlich gabs da auch Zuträger und jede handelsübliche Dummheit, dennoch waren die Germanisten weniger (Haupt-)Verfolger, sondern „bloß“ ein bißchen feige. Die eigentlichen Verfolger Kunzes aber waren gewiß die haupt- und nebenberuflichen Büttel in den Partei- und Sicherheitsapparaten sowie im lokalen und überregionalen Kulturbetrieb. Wieviele davon gabs allein in Greiz?

Sein Gedichtband „Brief mit blauem Siegel“, erschienen 1973, wurde zum erfolgreichsten Lyrik-Titel der DDR. (Deutsche Welle)

Wirklich? Solche Sätze, wenn es einen journalistischen Ehrencodex gäbe, würde man nur aufschreiben, wenn man es zuvor überprüft hat. Lyrikbände von Reclam Leipzig konnten eine fünfstellige Auflage haben, aber die DDR war eine Plan- und keine Marktwirtschaft. Bücher eines Dissidenten, wenn sie mal gedruckt wurden, erhielten bestimmt keine marktgerechte Auflagen. Die Papierzuteilung wurde von der Partei kontrolliert. Kunzes Poesiealbum und der Reclamband „Brief mit blauem Siegel“ wurden herumgereicht – weil die Auflage nicht ausreichte. Wenn man den „erfolgreichsten“ Titel an der Auflage mißt, sollte man vielleicht bei Eva Strittmatter oder Heinz Kahlau suchen, die gewiß weit höhere Auflagen hatten.

Denn das sind zwei gute Gelegenheiten auch für jüngere Greizer, eine Ahnung davon zu erhalten, warum der Autor ein Ehrenbürger ihrer Heimatstadt ist, was ihn weit über die Stadtgrenzen hinaus zu seiner Bedeutung verholfen hat. (Ostthüringer Zeitung)

Ich persönlich glaube ja nicht, daß Reiner Kunze weltbekannt wurde, weil er Ehrenbürger von Greiz wurde. Ja, hätte die Stadt ihm vor 1989 ihre Ehrenbürgerwürde angetragen, dann vielleicht. Aber sowas ist wohl nie vorgekommen, nie.

Noch etwas aus der weiteren Welt:

Celan wurde in Nordrumänien in einer deutschsprachigen jüdischen Familie geboren und war ein Überlebender aus dem Konzentrationslager Auschwitz. Professor Wang zufolge sind Celans Gedichte Zeugnis der schicksalhaften Geschichte der Juden. Nach dem Zweiten Weltkrieg und den Erlebnissen in Auschwitz sei seine Lyrik „spät“. (china.org)

Tatsächlich gehörte Czernowitz zu Rumänien, als Celan geboren wurde. Richtig ist auch, daß Celan nur zufällig der Judenverfolgung der Nazis entkommen ist, anders als seine Mutter und andere Familienangehörige. Falsch aber ist die Behauptung, er sei Auschwitz-Überlebender. Ein einfacher Blick in Wikipedia könnte den Irrtum aufklären. Vielleicht ist Wikipedia in China nicht oder nur eingeschränkt zugänglich (oder der Auschwitzsatz steht gar in der chinesischen Version?). Das würde den chinesischen Professor zum Teil entschuldigen. Aber sein Blooper steht jetzt im Netz und wird gewiß weiterzitiert.

One Comment on “70. Bloopers 1

  1. Das ist mir beim ersten Lesen gar nicht aufgefallen. Vielleicht hat es die Redakteurin so verstanden. Celan war in einem Lager, seine Mutter wurde ermordet, der Holocaust bestimmt sein Werk. In China wird er seit den späten 1980er Jahren gelesen und übersetzt. Vielen Dichtern und Künstlern ist Celan wichtig. Wang Jiaxin weiß einiges über Europa über Celan, habe ich das Gefühl. Die furchtbare Zeitgeschichte Chinas unter Mao und davor kommt seit den späten 1970er Jahren in China in der Literatur heraus. Dieses Erbe, das in China noch sehr wenig aufgearbeitet ist (Hungersnot etc.) ist eine sehr große, schwierige, wahrscheinlich oft auch erdrückende Aufgabe. Celan ist eine Hilfe, und ein Bindeglied.

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