80. Wiedergefundenes Gedicht

In einer schlaflosen Juninacht beim Zwitschern Trillern Krähnen der Vögel, von wenigen Autos und einem Zug begleitet, fallen mir Zeilen aus einem Gedicht von E.E. Cummings ein

now that,more nearest even than your fate
and mine(or any truth beyond perceive)
quivers this miracle of summer night
her trillion secrets touchably alive

und gehen um im Kopf und switchen unkontrolliert zu einem anderen Gedicht des Autors, das ich vor 40 Jahren gelesen und übersetzt habe. Erst als ich aufstand und nachsah, bemerkte ich, daß es ein Sonett ist – in meinem Kopf schien es ganz rund und aus etwa 10 Zeilen zu bestehen, die mir Englisch und Deutsch da waren. Das Gedicht arbeitet nach dem Paarreim des ersten Verspaars nur mit feinen Anklängen, aber mit geradezu wuchtigem Rhythmus, es strömt und suggeriert mir halbwach ein Ganzes.

Ich las es vor 40 Jahren in Rostock, wo die Anglistik zwei Bücher des Autors besaß, den Roman The enormous room und 73 poems. Da ich es nicht kaufen und auch nicht kopieren konnte, schrieb ich es mit Schreibmaschine ab, und in der nachfolgenden Zeit versuchte ich mich an Übersetzungen, die Typoskripte hab ich beim letzten Umzug zuletzt gesehen, längst irgendwo vergraben. Da ich es eh fast komplett im Gedächtnis habe, besinne ich mich auf Mickel („daß Selberdenken [dichten] schneller ist als Nachlesen“), hole mir die Complete Poems und schreibe es neu.

Now i lay(with everywhere around)
me(the great dim deep sound
of rain;and of always and of nowhere)and
what a gently welcoming darkestness—

now i lay me down(in a most steep
more than music)feeling that sunlight is
(life and day are)only loaned:whereas
night is given(night and death and the rain

are given;and given is how beautifully snow)

now i lay me down to dream of(nothing
i or any somebody or you
can begin to begin to imagine)

something which nobody may keep.
now i lay me down to dream of Spring

—-

Ich leg (und überall rundum)
mich (jener dunkle tiefe klang
von regen; und von stets und nirgends) und

wie freundlich mich begrüßend dunkelstheit –

ich leg mich hin (in einer steilst
mehr als musik) und fühl die sonne ist
(der tag das leben sind) geborgt nur: doch
die nacht gegeben (nacht und tod und der regen

gegeben; und gegeben schön der schnee)

ich leg mich hin und träum von (nichts das
ich oder irgend jemand oder du
beginnen zu beginnen nur zu ahnen kann)

etwas das keiner hat er es behält.
ich leg mich hin und träum vom Frühling

Das versuche ich jetzt auch. Und übermorgen wird Sommer.

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