116. Wider die Oppenlücke

Eine Lücke in der Rezeptionsgeschichte amerikanischer Literatur in Deutschland, die es nach meiner Meinung gleich und sofort zu schließen gilt, ist die Oppenlücke. Im Wiesbadener Verlag Luxbooks erschien im letzten Jahr ein zweisprachiger Band unter dem Titel The Materials Die Rohstoffe.  Das Original ist 1962 im Verlag New Directions in New York erschienen. (…)

Jedoch vereinigte die Gruppe der Objektivists Oppen mit Autoren wie Zukofsky und Williams, Autoren, die auch politisch über einen Vorwurf des Dogmatismus erhaben waren. Sie konstituierte sich in Anschluss und Abgrenzung zu den Imagisten, deren Vertreter zum Beispiel Pound, Williams und H.D. waren. Laut Zukofsky, einem der maßgeblichen Vertreter, bestand Objektivismus darin, das Gedicht als Objekt zu behandeln, nicht als Ausdruck irgendeiner seelischen Verwerfung. Der Dichter betrachte die Welt mit Aufrichtigkeit und Intelligenz.  (…)

Die Stadt und immer wieder die Stadt. Oppen zeigt sie in ihrer verletzenden Starre, aber auch in ihrer vereinnahmenden Beweglichkeit  Ursprung und Ziel der Zivilisation, denn hier kommen die Menschen zusammen und sind gewissermaßen zur Interaktion gezwungen. Und in all dem bilden sie und ihre Stadt bei Oppen doch auch einen Gegenentwurf zum dunklen, rauchigen und vergiebelten Bild, das der deutsche Expressionismus in Lyrik und Film vom Moloch entwarf.

Norbert Lange, der eine vorzügliche Übersetzung der Oppenschen Texte geliefert hat, schreibt in seinem Nachwort: Oppen zielt auf den, wenn auch flüchtigen Zustand, in dem der Dichter sich den Dingen unvoreingenommen stellt. Diese Annäherung lässt sich als Begegnung von Welt und Subjekt auffassen, die innerhalb des von Sprache Ausdrückbaren stattfindet.

Und genau das ist der Punkt,  in dem sich Oppen von den Ideologen unterscheidet. Er begegnet der Welt und will sie nicht überwältigen.

/ Jan Kuhlbrodt, Fixpoetry

Georg Oppen: Die Rohstoffe. Aus dem amerikanischen Englisch von Norbert Lange. Mit einem Nachwort von Paul Auster. ISBN 978-3-939557-4-87 € 22,-  luxbooks Wiesbaden 2012

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