68. Rudolf Alexander Schröder

Zum Fernsehinterview anno 1958 hatte Peter Suhrkamp seinen Vertriebsleiter Siegfried Unseld mitgebracht. In der Hand die solide gebundene Dünndruckausgabe des ersten Bands der Gesammelten Werke seines Hausautors Rudolf Alexander Schröder wiegend, sagte der Verleger zu Lutz Besch, dem jungen Literaturredakteur von Radio Bremen: ‚Stellen Sie sich nur einmal mal vor, Sie müssten 1200 Seiten Gedichte durcharbeiten!‘ Auf Suhrkamps Schreibtisch türmten sich da noch vier weitere Bände mit Schröders Aufsätzen und Reden sowie seinen Klassiker-Übersetzungen von Homer, Vergil und Horaz über Shakespeare, Racine und Molière bis zu T.S. Eliot und Aubrey Beardsley. Drei weitere Bände des 1878 geborenen Dichters und bedeutenden Literaturvermittlers – er gehörte zu den Mitbegründern des Insel Verlags – folgten, darunter einer mit Predigten.
Derweil hielt Suhrkamps Adjutant Unseld bereits die Lösung fürs Publikum in Händen und stellte sie in der zum 80.Geburtstag des Jubilars ausgestrahlten ‚Abendstunde mit Rudolf Alexander Schröder‘ auch gleich vor: Unseld pries die von ihm selbst zusammengestellte 630-Seiten-‚Auslese‘ aus Schröders Werken, trug ein Gedicht daraus vor und ließ es sich nicht nehmen, es wortreich zu interpretieren. Diese Rarität aus der frühen Fernsehära bekam das Publikum des Freien Deutschen Hochstifts im Gartensaal des Frankfurter Goethehauses zu sehen, gut 50 Jahre nach dem Tod Schröders. (…)

Michael Goldberg vom Schauspiel Frankfurt las aus Schröders lyrischem Werk und gab einen kleinen Überblick von den Anfängen eines Bänkelsängers auf dem Münchner Brettl um 1900 über den Verfasser ‚Deutscher Chansons‘, vaterländischer Oden und soldatischer Kriegshymnen 1914 – einige davon fanden zum Schrecken des Autors Aufnahme in die Liederbücher der SA – bis hin zum Erneuerer des protestantischen Kirchenlieds nach 1945. / Volker Breidecker, Süddeutsche Zeitung 7.9.

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