49. „Leicht hat es die Lyrik nicht,“

und fast versteht man warum, wenn man weiterliest:

… sich Gehör zu verschaffen auf dem belebten Platz zwischen Theater und Tinguely-Brunnen. Das Plätschern des Wassers, die Tram, die in kurzen Abständen vorbeifährt, das Klingeln eines Handys, das Stimmengewirr der Leute. Immer wieder dringen Alltagsgeräusche ans Ohr, während die Dichter unter einem weißen Zeltdach ihre feinsinnigen Texte vortragen. „Auf die leisen Töne achten…“ heißt es so sinnig in einem Gedicht von Anton Schmid, der zur Mittagszeit an der Lese-Reihe ist. / Badische Zeitung

feinsinnig, leise, sinnig: na eben drum doch, liebe Leute! Weil ihr denkt, Lyrik sei feinsinnig, leise sinnig. Nein, bei Lyrik sollt ihr zusammenzucken: FRISS ANANAS, BÜRGER, UND HASELHUHN / WIRST BALD DEINEN LETZTEN SEUFZER TUN. (Majakowski). Oder so: ÜBERS NIEDERTRÄCHTIGE / NIEMAND SICH BEKLAGE / DENN ES IST DAS MÄCHTIGE / WAS MAN DIR AUCH SAGE. (Goethe). Oder: DES CORDUANERS / ZEILE LÖST DIR DIE HERZHAUT AB (Bobrowski: Góngora). Oder: AM BESTEN VÖGELT DOCH / EIN HINKEBEIN (Mimnermos)

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