46. Politischer Akt

Noch ein Auszug aus Cornelius Wüllenkempers Festivalbilanz (Grass hat mit zwei schnell hingeschriebenen politischen Gedichten tatsächlich geschafft, was ihm zuletzt mit Gedichten nicht mehr gelang, er ist überall dabei):

Selbst bei der eigentlich spielerisch-unterhaltend programmierten Poet’s Corner, bei der Autoren an öffentlichen Orten in Berlin ihre Werke vortrugen, dichtet der deutsche Lyriker Hendrick Jackson in „Das Ende des falschen Propheten“ über den Tod von Osama Bin Ladin:

„Jemand liebt den Tod mehr als die Freiheit
Ein anderer liebt die Freiheit mehr als den Tod
Ein Dritter liebt Freiheit und Tod,
kann sich aber unter beidem nichts vorstellen …“

Beim Poesiefestival war in diesem Jahr vor allem eine junge Generation von Dichtern zu erleben, die, wie es die Britin Jen Hadfield ausdrückte, Lyrik weniger als programmfreie Sprachästhetik versteht, denn als politischen Akt, als die freieste und individuellste Ausdrucksform der persönlichen Weltwahrnehmung. So erklärten sich auch die Organisatoren der Literaturwerkstatt die durchweg große Resonanz beim Publikum damit, dass Lyrik – wie zuletzt bei Günter Grass – heute vor allem dann für Aufsehen sorgt, wenn es um die unmittelbare sprachliche Übersetzung der Weltgegenwart geht. / Cornelius Wüllenkemper, DLF

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