96. Jandl-Bodenplatte

In der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg feiert die Berliner Literaturwerkstatt ihren zwanzigsten Geburtstag. Hunderte Besucher sind gekommen. Es herrscht Volksfeststimmung zwischen den Ständen der Kleinverlage, dem Bio-Crêpe-Wagen und einigen ‚lyrischen Installationen‘: Etwa einer Bodenplatte, auf der Kinder durch wildes Herumhüpfen einzelne Tonbandzeilen aus Ernst Jandls Ottos-kotzender-Mops-Gedicht auslösen.

Eine Jandl-Bodenplatte für Kinder, Bio-Crêpes und das Projekt eines Beschwerdechors: Im Laufe der vergangenen zwanzig Jahren ist die Literaturwerkstatt immer besser darin geworden, sich zur Stadt hin zu öffnen, gern auch populäre Wege zu ihrem sperrigen Arbeitsbereich Poesie aufzuschließen. Unter den fünf großen Literaturinstitutionen Berlins wirkt sie oft wendig und trendbewusst. Es liegt am Faible ihres Leiters Thomas Wohlfahrt für die Projektemacherei, dass die so lebendige Szene der deutschen Lyrik in der Literaturwerkstatt einen wichtigen Ausgangspunkt finden konnte. Und es liegt auch am Ideenreichtum des langjährigen Teams, wenn an einem Abend wie diesem Poesie in Berlin ein derart großes Publikum interessieren kann. / Florian Keßler, Süddeutsche 19.9.

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