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Veröffentlicht am 3. März 2011 von lyrikzeitung
„Giizig, gizzig, gizig, gizig isch der Itzig;
un willsch Dü kei itzig si, döasch uns was ins Gigili ni!“…
… so schallt es heute noch aus Kindermündern in manchem Dorf im Südbadischen zur Faschingszeit. Die Kinder wissen nicht, was sie da rufen – meist haben sie es von den Großeltern gelernt oder von älteren Leuten, an deren Türen sie um Süßigkeiten für ihre Tüten bitten. „Übersetzt“ man diesen Spruch ins Hochdeutsche, so lautet er:
„Geizig, geizig, geizig, geizig ist der Jude.
Und willst Du kein Jude sein, gibst Du uns was in die Tüte rein.“
Itzig , diese alte, abwertende Bezeichnung für Jude, ist in ihrer Bedeutung den Kindern oft gänzlich unbekannt. Sie lernen diesen Spruch wie sie andere „Fasnetssprüche“ lernen. / Ramona Ambs, hagalil.com
Hans Thill schreibt:
der fastnachtsvers gitzig isch der itzig … ist eine spätere ergänzung zu dem heischbrauch-spruch horrig, hoorig, hoorig isch die katz // und wenn die katz nett hoorig wär, dann fängtse keine mäuser mehr usw.
das ist ein verbreitetes muster mündlicher dichtung, das eine serienproduktion ermöglicht. vielleicht weiß jemand, wann und wo die itzig-varianten aufkommen? oder kennt andere varianten? falls jemand einschlägige literatur zuhause hat – nachträge willkommen!
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Antisemitismus, Karneval, Ramona Ambs
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