65. Drei österreichische Lyriker

In der gleichen Ausgabe der Wiener Zeitung bespricht Hermann Schlösser drei Lyriker aus Österreich mit neuen Gedichtbänden:

Im Sommer 1975 reiste der damals zwanzigjährige Bernhard Widder durch Großbritannien. Unterwegs schrieb er Gedichte in englischer Sprache, die er damals allerdings nicht veröffentlichen konnte. In den späten achtziger Jahren übertrug er sie ins Deutsche, wobei er sie grundlegend überarbeitete und durch neue Texte ergänzte. Unter dem Titel „Handgerede“ erschienen diese Gedichte 1991 in Buchform. Widder hat sie später noch einmal revidiert, und jetzt ist sein „Handgerede / Slang of hands“ zum ersten Mal zweisprachig erschienen. Das ist dem risikofreudigen Mitter Verlag in Wels zu verdanken, der sich durch anspruchsvolle Editionen empfiehlt. …

Während Widder im Wesentlichen auf das Kunstmittel der Reduktion vertraut, macht Dine Petriks Gedichtband „wortreich.verschwiegen“ Gebrauch von Assoziationen, die sich nicht aus dem Sinn der Wörter ergeben, sondern aus deren Klang: „stark vom wermuts / hopfen / schwach von hoffmans / tropfen / aber ob hopp oder / drops / das genialste dann ist bald/ rian . . .“ …

Und was hat Christian Teissl Besonderes für sich? Am ehesten wohl die Schrift. Denn dieser Lyriker, der geschrieben hat „Vor mir schlägt ein Tag / seine Augen auf / hinter mir wird eine Schrift / als Geheimschrift erkannt“, versteht sich etwa auf das barocke Sprachspiel des Akrostichon , dessen Pointe sich einzig und allein im Schriftbild zeigt: Liest man die ersten Buchstaben der Verszeilen von oben nach unten, ergibt sich ein Wort, dessen Bedeutung sozusagen wie ein Wasserzeichen durch das Gedicht schimmert. In den neun Akrosticha, die in Teissl Gedichtband „Die Blumenuhr“ enthalten sind, heißt dieses Wort: „Silvana“ und manchmal auch „Anavlis“. (Und das ist ein „Palindrom“: Wer das Wort von rechts nach links liest, wird verstehen, wovon die Rede ist.)

Dine Petrik und Bernhard Widder gehören zu den Lyrikern, die am 24. Juni ab 19 Uhr in der Alten Schmiede in Wien das große „Dicht-Fest“ bestreiten. Mehr dazu unter http://www.alte-schmiede.at

Dine Petrik: wortreich. verschwiegen. Mit Fotografien von Gerald Zugmann. Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten 2009, 87 Seiten, 20 Euro.

Bernhard Widder: Handgerede /slang of hands. Mitter Verlag, Wels 2009, 181 Seiten, 22 Euro.

Christian Teissl: Die Blumenuhr. Mitter Verlag, Wels 2010, 136 Seiten, 19,80 Euro.

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