127. Meine Anthologie 30: Konstantin Kavafis, Mauern

Mauern

Ohne Rücksicht, ohne Mitleid, ohne Schamgefühl
Haben sie große, hohe Mauern errichtet um mich.

Und hier sitze ich nun ohne Hoffnung.
Ich denke nur an das eine, wie dieses Schicksal den Verstand mir verzehrt.

So viel hatte ich draußen zu tun. Warum gab ich
Nicht acht, als sie diese Mauern errichteten?

Ich habe die Maurer nicht gehört — kein Geräusch.
Unmerklich haben sie mich aus der Welt gemauert.

1897

Konstantinos Kavafis: Das Gesamtwerk. Griechisch / deutsch
Herausgegeben und übersetzt von Robert Elsie.
Mit einem Nachwort von Marguerite Yourcenar
Ammann Verlag 1997
ISBN 3-250-10305-5

Walls

With no consideration, no pity, no shame,
they have built walls around me, thick and high.
And now I sit here feeling hopeless.
I can’t think of anything else: this fate gnaws my mind –
because I had so much to do outside.
When they were building the walls, how could I not have noticed!
But I never heard the builders, not a sound.
Imperceptibly they have closed me off from the outside world.

Constantine P. Cavafy, tr. George Barbanis

Τείχη

Χωρίς περίσκεψιν, χωρίς λύπην, χωρίς αιδώ
μεγάλα κ‘ υψηλά τριγύρω μου έκτισαν τείχη.

Και κάθομαι και απελπίζομαι τώρα εδώ.
Αλλο δεν σκέπτομαι: τον νουν μου τρώγει αυτή η τύχη·

διότι πράγματα πολλά έξω να κάμω είχον.
Α όταν έκτιζαν τα τείχη πώς να μην προσέξω.

Αλλά δεν άκουσα ποτέ κρότον κτιστών ή ήχον.
Ανεπαισθήτως μ‘ έκλεισαν από τον κόσμον έξω.

Κωνσταντίνος Π. Καβάφης (1896)

Selected Links:

Kavafis bei Ammann
Kavafis Homepage
Ars gratia artis (Text von Kavafis 1905, english)

Auswahl Michael Gratz 2000.

2 Comments on “127. Meine Anthologie 30: Konstantin Kavafis, Mauern

  1. Im Buch „Echo der Seele“ von John O’Donohue zitiert der Autor den griechischen Lyriker Konstantinos Kavafis, speziell das, so schreibt er… „kraftvolle Gedicht „Mauern“…Er schreibt: „Kavafis artikuliert etwas, das uns allen widerfährt. Unsere stillschsweigende Einweilligung in die Vorstellungen und Erwartungen, die andere Menschen an uns knüpfen, gestatten ihnen, uns jegliche Bewegungsfreiheit zu rauben. Man braucht lange, um zu erkennen, welch starken Einfluss die einigen wenigen Schlüsselfiguren in unserem Leben auf unser denken, unser Handeln und unser ganzes verhalten ausüben.“ (Zitat Ende). Ein, wie ich finde, durchaus lesenswerter Lyriker, der erstaunlicherweise – so Wikipedia – seine Werke gar nicht in Buchform veröffentlichte.

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