180. Visionen eines muslimischen Zarathustra

Auf Steinen unter Bäumen hat er die ersten Verse gelernt. „Die Bäume sind Blätter in meinen Heften, und die / Steine sind Gedichte wie ich“, erinnerte sich Ali Ahmad Sa“id Isbir später. Am 1. Januar wird der syrisch-libanesische Dichter mit dem Pseudonym Adonis 80 Jahre alt.

Er gilt vielen als der bedeutendste arabischsprachige Lyriker der Gegenwart und wird seit Jahren als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt. Schon sein Vater, Bauer und Imam des syrischen Dorfs Quassabin, wo Adonis 1930 geboren wurde, schrieb Gedichte. Als der Staatspräsident das Dorf besuchte, durfte der 13-jährige Ali selbst verfasste Gedichte vortragen. Zum Dank wurde ihm sein sehnlichster Wunsch erfüllt: eine Schule besuchen zu dürfen.

Er studierte Philosophie und promovierte nach einem Studienaufenthalt in Paris 1973 an der Beiruter Universität über „Das Veränderliche und das Beständige – Tradition und Erneuerung in der arabischen Kultur“. Bekanntgemacht hat ihn der Gedichtband „Die Gesänge Mihyars, des Damaszeners“ (1961, deutsch 1998) – Visionen eines muslimischen Zarathustra. In dem Werk verschmelzen die Sufi-Lyrik islamischer Mystiker und das Pathos Friedrich Nietzsches miteinander. / Claudia Schülke, Stuttgarter Nachrichten 29.12.

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2 Comments on “180. Visionen eines muslimischen Zarathustra

  1. Nein, in der Tat kann ich nicht in die Köpfe der schwedischen Akademiker blicken. Wahrscheinlich reicht deren Arabisch ebensowenig für eine Beurteilung Adonisscher Verse, wie sagen wir, ihr Deutsch für die Würdigung Mayröckers. Also wählen sie die, die sie einigermaßen beurteilen können.

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  2. lieber michael, ich weiß du weißt nicht alles, aber weißt du in diesem speziellen fall, WARUM er den nobelpreis „in wahrheit“ (noch) nicht bekam? rein vom gefühl her finde ich es fast sarkastisch (unmenschlich herzlos), einen alternden, dem tode näher rückenden menschen „seit Jahren als Anwärter“ auf IRGENDETWAS zu „handeln“. die schwedischen gardinenhersteller könnten von glück reden, von ihm noch eine leibhaftige saftige gedenkrede auf arabisch zu erhalten. man, was für penntüten!!! (zur sicherheit: das ist jetzt keine verteidigung seiner anwärterschaft, denn ich kenne seine werke leider (noch) nicht und kann das eh nicht beurteilen als berufsbefangener)
    P.S. letzte nacht auf dem rückweg vom „kinski“ (ein klub in neukölle) entdeckte ich in meinem briefkasten zufällig, daß ich poast habe: das zweite manuskript von karl-johannes vogt für seinen folgeband im g&gn-verlag! meine bitte an ihn lautete diesmal, jene gedichte zusammen zu stellen, die er zum einen im ersten „flugzeug“band vermißte und zum anderen seine eigenen „favorites“ sind. und er hat es getan! und es ist der hammer! lese grad beim ersten kaffee… heftigste POLITISCHE KRITISCHE gedichte von einer tiefe und wiedererkennbaren handschrift, ich gestehe, ich habe zu schluchZen begonnen, ich bin schockiert, berührt, fast verzeifelt begeistert, daß mir die ehre zuteil wird, dafür zu sorgen, daß ER, der über-90-jährige, NICHT in vergessenheit gerät bzw richtiger: ins kollektive gedächtnis überhaupt erstmal eingespeist wird. ich sag ja: ein brecht oder heine stirbt jede sekunde. nicht alle dichter benutzen die figur des „vorlauten“ wie ich, manche bleiben eben BIS ZU IHREN ENDE still stiller am stillsten. und gehören doch zu den besten. ja, jetzt bin ich als befangener doch noch parteiisch geworden. aber für den älteren. man sollte das preisgeld auf BEIDE aufteilen!!! zwei reden von zwei dienstältesten als symbol zur versöhnung der beiden hemisphären, man, was für eine vision!!!! KANN DAS MAL BITTE JEMAND AUF SCHWEDISCH ÜBERSETzzzzzzzzeeeeeeennnnn?!?!?!?!?! an die gardinenfutzis…

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