9. Fadenwürde

»Pop«iges von Sternmut, das wäre auch mal was – aber nein, Schluss gleich zu Beginn mit versuchten Wortspielereien, die wird der Autor (Jg. 1958) substanzieller liefern.

Ungewöhnlich ist, dass zum Titel ein Titelgedicht gleich zum Einstieg präsentiert wird. Aber hoffe niemand auf eine sofort griffige Erklärung dieser Wortneuschöpfung „Fadenwürde“ –

Hier sei schlicht und ausnahmsweise die erste Strophe zitiert: „lege meine Sinne über deine Haut / in die Zeitkerze brenne ich / durch den Windsplitter / der Aufruhr der Fadenwürde / trampelt der Irrsinn durch den Hirnlappen / peitscht der Wind über das Schwundmoor.“

Hier ist Hermetik angesagt. Der moderne Lyriker beobachtet die Welt vielleicht nicht anders als wir – aber seine Entäußerungen scheinen seltsam chiffriert. Verbunden mit der Frage, warum uns ein Künstler die Welt in unverständlichen Worten, Tönen oder Farben wiedergibt, sollte uns freilich die Frage überfallen, ob wir denn tatsächlich die Welt verstehen, wenn sie uns in simplen Worten, Tönen, Farben begegnet?! Es ist klar: Kunst will uns sensibilisieren, zum Innehalten bewegen, zum Wechseln der Perspektive, zum Variieren der Distanz.

Dabei sind manche Texte Sternmuts dialogisch angelegt, das lyrische Ich wendet sich an ein Du, es behauptet auch ein Wir: „komm, / Wir lassen uns beirren von Sinnen.“ Und dann blüht uns „der Reichtum der Sonne der Worte“ und wir „baden im Glück der Sprache“. / Karl-Heinz Schreiber, Literaturzeitschrift „KULT“, Textem

Norbert Sternmut: Fadenwürde, Pop Verlag, Ludwigsburg 2009, 96 Seiten, 14,30 Euro, ISBN 978-3-937139-67-8

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