97. Afrika auf dem 10. Berliner Poesiefestival

Gern sagt man, es sei wichtig, dass Universitätsabsolventen aus Entwicklungsländern nach dem Studium in ihre Heimat zurückkehren. Jack Mapanje, 1944 geboren, erlebte, was im Anschluss geschehen kann: nach seinem Anglistik-Studium in England wurde er Leiter der englischen Abteilung an der Universität von Malawi, bis er seinen poetischen Erstling „Of Cameleons and Gods“ veröffentlichte und sich um die Verbesserung des Verlagswesens bemühte. Er hatte gerade eine ansehnliche schwedische Förderung dafür erhalten, als man das Projekt erledigte, indem man ihn ins Gefängnis schickte. Nur auf internationalen Protest kam er nach drei Jahren und sieben Monaten frei.

Nachdem er im Gefängnis zwei Gedichtbände geschrieben hatte, die sich mit seiner Situation auseinandersetzen. Inzwischen arbeitet Mapanje an der Universität von Newcastle. Eines der besten Gedichte, die er am Sonntag beim 10. Internationalen Berliner Poesiefestival im Rahmen des Schwerpunkts zum südlichen Afrika vorstellte, widmet sich spöttisch einem Minister und „Giftfrosch“, der plötzlich auch einmal verhaftet wurde, was ihn für Dichter zum erstenmal sympathisch machte. Sie fühlten sich beinahe solidarisch.

Neben dem 1980 geborenen Ghankanani Moffat Moyo aus Sambia wirkte Mapanje wie ein Veteran, doch war er, im Vergleich mit anderen Kollegen, die in der Veranstaltung „Entlang des Sambesi“ auftraten, derjenige, der sich am meisten um die Wörter gekümmert hatte, aus denen seine Gedichte bestehen. Vor allem bei Moffat Moyo ahnte man, dass sich auch im südlichen Afrika ein Wandel in der literarischen Szene bemerkbar macht. Die politische Unterdrückung verliert etwas an Deutlichkeit, worauf ein Teil der Literatur mit Tendenzen zu hoffnungsvoller Unterhaltung antwortet. Aber man sollte Moffat Moyo, der – Hommage ans Klischee – bei seiner Performance im Baströckchen auftrat, nicht unterschätzen. Im nachmittäglichen Poesiegespräch erzählte er von seiner e-Literaturzeitschrift „Echoes of tomorrow“, mit der er 10 000 Leser erreiche. / HANS-PETER KUNISCH, SZ 30.6.

Mehr: Alte Kämpfer, junge Rapper: Das Berliner Poesiefestival präsentiert Dichter aus dem Süden Afrikas. Tagesspiegel 30.6.

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