Verzweifeln & erleuchten…

Giuseppe Ungaretti (1888-1970) gilt als «Erfinder» der hermetischen Lyrik: Hitler hätte sein Werk wohl in den Mülleimer für Entartetes geworfen; Mussolini hingegen gefiel es so sehr, dass er ihn im Aussenministerium als Pressesprecher einstellte. Das erstaunt, sind doch die Gedichte alles andere als pathetisch-schwülstiges Poesiebrimborium.

Und heute? In Berlusconis «Alles-ist-eine-Show-Italien» erscheint diese Lyrik wie ein Fremdkörper. Umso verdienstvoller, dass unter dem Titel «Zeitspüren» eine vom österreichischen Lyriker Christoph Wilhelm Aigner ausgesuchte und übersetzte Auswahl von Gedichten Ungarettis erschienen ist, die daran erinnert, dass es auch ein leiseres und widersprüchlicheres Italien gibt, als das Berlusconis. …
Der zweisprachige Auswahlband von C. W. Aigner bietet die Möglichkeit, sich Ungaretti anzunähern, zu verzweifeln – und erleuchtende Entdeckungen zu machen. Aigner leistet Hilfe beim Verstehen, macht aber auch deutlich, wo die Grenzen der Übersetzung liegen. Den vielleicht bekanntesten Zweizeiler Ungarettis hat Aigner gar nicht erst in seine Sammlung aufgenommen: «M’illumino / d’immenso». / Roland Maurer, St. Galler Tagblatt 28.7.03

Giuseppe Ungaretti: Zeitspüren. Gedichte. Ausgewählt und übertragen von Christoph Wilhelm Aigner. DVA, Stuttgart 2003, Fr. 30.20

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