Gernhardt-Priester

Spätestens seit dem „Annus Mirabilis 1997“, in dem der Segen angestauter Hymnen und aufgesparter Preise jubiläumsbedingt auf ihn niederprasselte, ist Robert Gernhardt, einst gefürchtet als einer der schärfsten Kritiker der Elche, der meistgeliebte und gesellschaftsfähigste unter den lebenden deutschen Poeten. Wo man früher Anstoß an ihm nahm, hätschelt man ihn heute als begnadeten Verseschmied mit rundgeschliffenen Ecken und eingewebter Goldkante. Das Sinistre dieses Vorgangs bannt er im Sonett: „Lobesmassen / treiben mich in immer höh’re Zonen, / wo um Ruhmestempel Feuer flammen // Und mich Gernhardt- Priester liebend fassen: / ,Herr! Geruh in diesem Haus zu wohnen!‘ / Anbetend brech ich vor mir zusammen.“ / KRISTINA MAIDT–ZINKE, SZ 5.9.02

ROBERT GERNHARDT: Im Glück und anderswo. Gedichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002. 286 Seiten, 19,90 Euro

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