Die lyrische Grenzgängerschaft

des G. PetriPetris Gedichte lassen sich kaum identifikatorisch vereinnahmen, da gibt es keine Strophen, die man auswendig lernen könnte, um sie als stabilisierenden Besitz zu verinnerlichen. Wenn Brecht nicht ohne Stolz von sich sagte: „In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen“, so gilt dieses Versprechen für Petri noch radikaler. Halt kann er wahrhaftig nicht geben, erst recht kein Fundament, doch seine Art, sich sprachlich einen Weg zu bahnen, kann ermutigen, es mit der Haltlosigkeit offen aufzunehmen. Das beginnt mit dem entscheidenden Schritt, sich Haltlosigkeit überhaupt erst einmal einzugestehen und sie zu benennen. In dieser Disziplin ist Petri allerdings ein an Kompetenz kaum zu übertreffender Freund und Helfer. Der Erotik und dem Alkohol mit der gleichen Heftigkeit verfallen wie den magischen Kräften gefundener Worte, hat er in seiner Dichtung wie auch biographisch ein Leben gewagt, das dem Absturz geweiht war, einem Absturz allerdings, der uns wie eine nach innen gewendete Weltraummission Bilder des Irdischen liefert, die wir ohne ihn nicht hätten. / Wilhelm Droste NZZ 12. Februar 2001

György Petri (* 1943 in Budapest; † 17. Juni 2000)

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