Bis zum Mai dieses Jahres war der usbekische Dichter Jussuf Dschuma Gefangener des berüchtigten Lagers Jaslyk in der Wüste im Westen des zentralasiatischen Landes unweit des sterbenden Aralsees. Jaslyk ist der usbekische Vorhof zur Hölle. Von giftigen Salzen durchsetzte Sandstürme durchwehen die glühende Hitze im Sommer gleichermassen wie die klirrende Kälte im Winter. Dschuma selbst erfuhr dort Folter und Demütigungen. Drei Jahre war es ihm untersagt, Stift und Papier zu berühren. «Ich formte meine Gedichte im Kopf», sagt der 53-jährige Usbeke. Nun endlich könne er sie aufschreiben – viele tausend Kilometer westlich im amerikanischen Exil. / Marcus Bensmann, NZZ
27. Juli 2011
25. Mai 2011
109. Freilassung eines Dichters im Zeichen höherer Interessen
“Wem gehören die Flüsse, die Blumen und die Dörfer?”, fragt das Gedicht des usbekischen Poeten Jussuf Dschuma, und der Refrain antwortet: “der Tochter”. Mehr als drei Jahre saß der Dichter in “Yaslik”, dem schlimmsten Lager Usbekistans unweit des sterbenden Aralsees, ein. Zwei Gefangene wurden dort 2002 mit kochendem Wasser zu Tode gefoltert.
Am 19. Mai wurde Dschuma direkt aus der Gefangenschaft mit Tochter und Enkeln in ein Flugzeug Richtung USA gesetzt. Die Freilassung des Dichters scheint wie ein Gastgeschenk des am heutigen Dienstag nach Berlin kommenden usbekischen Vizeaußenminister Wladimir Norow. / MARCUS BENSMANN, taz
(nämlich deutsche Firmen wollen am Größenwahn des Diktators mitverdienen, dafür kann man schon mal einen Dichter opfern, oder freilassen)