DU BRAUCHST DICH NIEMALS MEHR FÜR MICH ZU SCHÄMEN.
Ich werde nicht mehr vor den Schulen stehen,
Zu wenig Bildung für ein Wiedersehen,
Nur Neigungen von Brot bis Czeslaw Niemen.
Ich habe dich wohl leider nie beschissen
Genug behandelt, daß es für uns langte,
Ich weiß es nicht, woran ich mehr erkrankte,
Am Tod oder am Handy unterm Kissen.
An deinen freien Tagen bist du wer,
Mit facebook, web.de und wer-kennt-wen,
Nur sag mir rechtzeitig, um wen du wirbst.
Rod Stewart ist schon viel zu lange her,
Erspare mir, euch einkaufen zu sehen
Und melde dich erst wieder, wenn du stirbst.
(Thomas Kunst, Leipzig)
Ist es erlaubt, Michael Krüger einen Naturlyriker zu nennen? Eigentlich war er uns als solcher bis jetzt nicht so recht gegenwärtig – auch wenn Adolf Muschg ihn einmal zu Recht einen „lyrischen Landschafts- und Wettermaler erster Güte“ nannte. Aber Meteorologie lässt sich auch in der Stadt betreiben („November war es wie in einem schlechten Film“ – Verse gleich diesen bleiben im Gedächtnis). Und Landschaft, bei Krüger beileibe kein herausgehobenes Sujet, zeigt in seinen Gedichten eine starke Tendenz ins Sinnbildliche, Allegorische. Was für Naturlyrik, die in der wirklichen Landschaft gern Landschaften der Seele spiegelt, nicht gerade typisch ist. / Hans-Dieter Fronz, Mannheimer Morgen
Michael Krüger: Ins Reine. Suhrkamp Verlag. 120 S., 16,90 Euro.
Durch die Unterstützung von Sponsoren wird zum 100. Geburtstag des Hagener Lyrikers Ernst Meister (1911 – 1979) erstmals seit 2008 der nach ihm benannte Preis wieder verliehen. Die Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), die Kulturstiftung der Provinzial Versicherungen und die Thalia Buchhandlungen ermöglichen die Auslobung des mit 13.000 Euro dotierten Hauptpreises und der zwei Förderpreise (je 2250 Euro).
Ausgezeichnet werden Autoren und Nachwuchsschriftsteller, die aufmerksam und kreativ mit Sprache umgehen. Einsendeschluss für die Bewerbungen ist am 5. April, die Verleihungszeremonie soll am Geburtstag Meisters, den 3. September 2011, stattfinden. / Westfalen heute
Aus dem Programm zur Ausstellung in Berlin-Pankow, galerie parterre
Donnerstag, 20.01.2011, 20.00 Uhr
VORTRAG | LESUNG Ernst Fuhrmanns Weltwende
Bert Papenfuß, Andreas Hansen, Rex Joswig
Donnerstag, 17.03.2011, 20.00 Uhr
LESUNG | GESPRÄCH Fox Tönende Wochenschau Nr. 26/1954
Chris Hirte, Matthias Friedrich und Detlef Opitz im Gespräch;
moderiert von Karsten Hoffmann
Sonntag, 20.03.2011, 20.00 Uhr
FINISSAGE | PERFORMANCE Tohm di Roes: ICHs Apokalyptus
anschließend
A.S. POP-Kommentare »Das Schweigen der Kunst«
DJ: Marc Gröszer, Frank Diersch
Ein Mitarbeiter des Amsterdamer Stadtarchivs hat mehrere Gedichte sowie einige Bücher und Jahrbücher aus der Sammlung des Archivs gestohlen. Dies berichtete gestern die niederländische Zeitung De Volkskrant. Entdeckt wurden die Diebstähle, die bereits 2009 stattgefunden hatten, Anfang letzten Jahres, als der Mann versuchte die Stücke an Antiquare zu verkaufen. Mitarbeiter der Universität von Amsterdam hatten sich zunächst für einige der Gedichte interessiert, wurden dann jedoch skeptisch, was letztlich zur Entdeckung der Diebstähle geführt hatte.
Der Mann stahl mehrere Gelegenheitsgedichte aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Diese Gedichte wurden meist zu Familienanlässen wie z.B. Hochzeiten, Geburten oder Beerdigungen geschrieben. „Die Stücke wurden gedruckt und herausgegeben, manchmal als kleine Bücher. Es sind keine äußerst seltenen Stücke. Aber die Tatsache, dass nicht besonders viele Stücke aus dieser Zeit erhalten geblieben sind, macht sie zu einem interessanten Material“, erklärte Emmy Ferbeck, Leiterin der Abteilung Archiv und Sammlung des Stadtarchivs in Amsterdam. / uni-muenster.de
Jede Generation hat ein Gedicht, das sie eint. Allan Ginsberg schenkte der Beat Generation in Howl ein poetisches Werk, das noch deren Enkel so bewegt, dass sie es gerade in den Kinos anschauen können. In dem Film Trainspotting spricht Ewan McGregor eine Startsequenz, die zum Ausdruck eines Protestgefühls Mitte der 1990er Jahre wurde und noch heute Menschen bewegt.
Diesen popkulturellen Bogen muss man aufspannen, um zu verstehen, was RTL am Montag abend (hier zum Nachschauen) aus dem australischen Dschungel sendete. Versteckt zwischen als Dschungelprüfungen bezeichneten Ekel-Aufgaben und kleinlichem Gezänk angeblich prominenter Menschen verbreitete der Sender ein poetisches Werk, das die im Ruhrgebiet geborene Casting-Kandidatin Sarah Knappik unter Tränen vortrug.
Es handelt sich vordergründig um die Klage eines Models (8. Platz in der dritten Staffel von Germanys Next Topmodel). In Wahrheit sind diese poetischen Worte aber eine Anklage gegen die Leistungsgesellschaft, gegen das System (in Knappiks Worten „die Brangsche“) und den permanenten Druck, der sogar gesundheitliche Schäden („irgendwelche Explosionen“) billigend in Kauf nimmt. / dirk-vongehlen, SZ
Die polnische Dichterin Wisława Szymborska, Trägerin des Nobelpreises für Literatur (1996), wurde mit der ältesten und höchsten Auszeichnung Polens geehrt, dem Orden des Weißen Adlers. Bei der Zeremonie im Königsschloß Wawel in Krakau wurden auch 28 andere polnische Künstler mit verschiedenen staatlichen Auszeichnungen geehrt, darunter die Filmregisseurin Agnieszka Holland. / Alice Trudelle, Warsaw Business Journal
Wikipedia weiß, daß der Orden der siebtälteste „in der Anciennität der europäischen Orden und der Orden der Welt [ist], hinter dem Christusorden von 1319, dem britischen Hosenbandorden von 1350, dem spanischen Orden vom Goldenen Vlies von 1429, dem dänischen Elefanten-Orden (um 1430), dem dänischen Dannebrogorden von 1674 und dem Schottischen Orden von der Distel von 1687″.
„Anciennität“ ist ein schönes Wort. Paßt irgendwie zur langen Liste der Träger, zu denen reihenweise Kaiser wie Hirohito oder Haile Selassie, Könige, Generäle und Marschälle, Fürsten und Grafen, Ministerpräsidenten wie Benito Mussolini und Bundeskanzler wie Kohl und Schröder, aber auch Philosophen wie Leszek Kolakowski und Schriftsteller wie Stanisław Lem und Czesław Miłosz gehören.
Der Verein SchreibArt kümmert sich um die Aufarbeitung eines bisher kaum beachteten Kapitels deutscher Literatur: Er befasst sich mit den Zirkeln schreibender ArbeiterInnen in der DDR. Ein Amerikaner hilft nun bei der Erforschung der Lyrik und Prosa …
Heutzutage, wo sich der Arbeiter vor allem darum sorgt, arbeitender Arbeiter sein zu dürfen, scheint das Schreiben als Feierabendbetätigung gleichwohl so von gestern wie Straßenschlachten für Studenten. Erstaunlich verbreitet ist die literarische Betätigung neben dem Job jedoch ausgerechnet in der Beamtengruppe der Polizisten. Auf der Internetseite Polizei-Poeten.de veröffentlichen etliche von ihnen regelmäßig Texte, in denen sie sich mit ihrem seelisch belastenden Arbeitsalltag auseinandersetzen. / GUNNAR LEUE, taz 17.1.
Ein Leserkommentar verrät mehr:
von Petra N.:
Einige dieser Zirkel sind heute noch recht aktiv, z. B. der Friedrichshainer Autorenkreis, der einstige Zirkel der Drucker des Neuen Deutschland. Es sind auch Jüngere hinzugestoßen sowie ein paar „Wessis“ wie ich. Ich schätze die Zusammenkünfte, weil ich dort fachkundigen Rat erhalte.
[unter dem Link findet man Texte von HEL]
Loerke findet – darin ist ihm Lutz Seiler nahe – über das Hören ins Weltganze. Seine Gedichte greifen in die Horizontale und in die Vertikale, wobei er in den Bäumen und im Meer jene Riesen findet, die das Ich dazu einladen, sich in ihnen zu spiegeln. Zaghaft und tastend ist Loerkes Sprache. In den Gedichten sucht er Zwiesprache mit einem überzeitliche Du. In Loerkes schönsten Versen finden in einer Augenblickskonstellation Erzählender und Hörender zueinander.
Der 1941 in Berlin-Frohnau verstorbene Loerke kann in dieser sehr schönen Ausgabe in seinen Gedichten neu entdeckt werden. „Hören was ankommt und genießen“, empfiehlt Lutz Seiler als Möglichkeit, sich Loerkes Gedichten zu nähern. Wer diesen Ratschlag befolgt und sich „unverkrampft“ auf Loerkes Sprache einlässt, der wird erstaunliche Entdeckungen machen. / Michael Opitz, DLR
Oskar Loerke: Sämtliche Gedichte
Herausgegeben von Uwe Pörksen und Wolfgang Menzel mit einem Essay von Lutz Seiler
Wallstein Verlag, Göttingen 2011
Zwei Bände, 1076 Seiten, 45 Euro
Er fährt kreuz und quer durch die Stadt, läuft herum, geht ins Kino, sieht am liebsten Detektivgeschichten und Western, diskutiert, schreibt, verbessert, verwirft, probiert dies und jenes, liest Marx und Engels und wartet auf den Durchbruch.
Noch ist er ein unbekanntes Genie, das man bloß für eine freche, provokante Skandalnudel hält. Von der ungeheuren Kraft, die in ihm steckt, wissen vorläufig nur wenige. Im Sommer 1927, wenn er sich in seiner Heimatstadt Augsburg aufhält, kreuzt er, überredet vom Vater, im Atelier des Hoffotografen Konrad Heßler auf. Von den Bildstudien, die hier entstehen, bleiben 32 Aufnahmen erhalten: Brecht in lässiger Pose, weißes Hemd, Krawatte und langer Ledermantel, zwischen den Lippen oder in der Hand die dicke Zigarre, mal sitzend, mal stehend, mal mit Buch, mal mit einem Notizbüchlein und Füllfederhalter. Der Füllfederhalter ist Staffage. Wenn etwas schnell festgehalten werden soll, genügt meist ein Bleistift. / Klaus Bellin, ND 18.1.
Bertolt Brecht: Notizbücher 24 und 25. 1927 – 1930. Hg. von Martin Kölbel und Peter Villwock. Suhrkamp Verlag, 539 Seiten, br., 24,90 Euro.
Mit seinen „Buchkreisen“ – in Streifen geschnittenen Textseiten, die er fächerartig auf Papier drapierte – machte Löhr in den achtziger Jahren auf sich aufmerksam und wurde schnell zu einem der wichtigsten Vertreter der „Visuellen Poesie“. In seinen Bildern, Objekten und Performances beschäftigte sich Löhr mit dem gedruckten Wort, das er zerstückelte, verformte und collagenhaft in einen neuen Kontext stellte. / FAZ 15.1. S. 34
Hier einige Buchkreise
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
After my mother died, one of the most difficult tasks for my sister and me was to take the clothes she’d made for herself to a thrift shop. In this poem, Frannie Lindsay, a Massachusetts poet, remembers a similar experience.
The Thrift Shop Dresses
I slid the white louvers shut so I could stand in your closet
a little while among the throng of flowered dresses
you hadn’t worn in years, and touch the creases
on each of their sleeves that smelled of forgiveness
and even though you would still be alive a few more days
I knew they were ready to let themselves be
packed into liquor store boxes simply
because you had asked that of them,
and dropped at the door of the Salvation Army
without having noticed me
wrapping my arms around so many at once
that one slipped a big padded shoulder off of its hanger
as if to return the embrace.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Frannie Lindsay, from her most recent book of poems, Mayweed, The Word Works, 2009, and reprinted by permission of Frannie Lindsay and the publisher. The poem first appeared in the Harvard Divinity Bulletin, Vol. 34, no. 1, Winter 2009. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Das soll schocken: Die Freiburger Gregor Kalchtaler und Markus Hafner inszenieren dreckigen Deutschrap als Dichterlesung. Junge Damen und Herren lesen Texte von Rappern wie Sido und Kool Savas im gediegenen Ambiente mit Leselampe und Rotwein. Zu sehen ist das Ganze seit Ende Dezember 2010 auf YouTube. …
Die Texte sind sexistisch, versaut und dreckig. So viele F-, S- und B-Wörter, dass man aufhört zu zählen. Vorgetragen werden sie aber nicht in einem stickigen Club von harten Gangstern, die Muskelpaketen mit Cappie und leicht bekleideten 90-60-90 Ladys die Punchlines servieren. Nein. Hier sitzen junge Menschen, elegant gekleidet im Lehnstuhl, daneben auf einem Tischchen eine dezente Leselampe und ein Glas Rotwein und lesen im Stile eines Dichters. / fudder.de
(zugleich ein Beitrag zur Ästhetik-Diskussion)
Es ist „die Lust, Gedichte einzupacken«, die van der Wal in gut fünf Jahrzehnten dazu inspirierte, ein abwechslungsreiches druckgrafisches Gesamtkunstwerk aus über 200 bibliophil gestalteten Büchern zu erschaffen. Vom Leporello über Endlosbücher bis hin zu Buchschachteln mit Fundstücken vom Strand reicht van der Wals gestalterische Phantasie. Am Samstag, 22. Januar, beginnt die neue Sonderausstellung „Bücherlust und Druckertrost. 50 Jahre Presse Eric van der Wal“ mit einem besonderen Eröffnungsprogramm im Museum für Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg. Ab 14.30 Uhr präsentiert der westfälische Autor Hans Georg Bulla gemeinsam mit Eric van der Wal Beispiele aus der Arbeit des Büchermachers und erläutert die verschiedenen Geschichten hinter den Büchern.
Zuvor bietet sich ab 11.00 Uhr die Gelegenheit, dem Künstler in der offenen Druckwerkstatt beim Setzen und Drucken von Gedichten und Grafiken hautnah über die Schulter zu schauen. Der Eintritt ist frei.
Die Ausstellung „Bücherlust und Druckertrost. 50 Jahre Presse Eric van der Wal“ ist von Samstag, 22. Januar 2011 bis Sonntag, 1. Mai 2011 im Kulturgut Haus Nottbeck – Museum für Westfälische Literatur – zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen unter www.kulturgut-nottbeck.de
Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
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